Tagebuch 2008 - 03. und 04. Juni in Wien - 05. bis 08. Juni in Mariazell.
Anschliessend 850 km zu Fuss auf dem "Südlichen Österreichischen Jakobsweg" von der Steiermark nach Vorarlberg.


Bilder findet ihr recht oben in der " Galerie "
Wer einen Schreibfehler findet darf ihn behalten.
Den grössten Teil des Tagebuchs habe ich während meiner Pilgerung in verschiedenen Orten geschrieben.

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Südlicher österreichischer Jakobsweg
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21. Juni - Samstag von St. Jakob nach Villach
21 Jun. 2008 18:36

Übernachtung mit Begrüssungsbrotzeit und Frühstück 20 Euro.
Im alten Bauerhaus daneben gibt es eine Rauchkuchel die heute noch zum Brotbacken benutzt wird.
Das Brot schmeckte tatsächlich anders als das, was man so kaufen kann.

Ergänzung vom 23.12.2008: Ich habe von diesen "Herbergseltern" eine Weihnachtspostkarte bekommen. Habe mich sehr darüber gefreut!!

Schöne Wege, teils Forststrassen, Pfade und befestigte Strassen brachten mich heute schnell voran.
Leider war die Kirche in Petschnitzen zu, aber das besondere an ihr, das teilweise noch erhaltene Fresko des Hl. Christopherus ist ja an der Aussenfassade.
Und weiter ging es auf teilweise schattigen Waldwegen zur Taborhöhe und dann hinter nach Egg an den Faaker See.
In Ermangelung einer Badehose und der Tatsache dass ich Nichtschwimmer bin, habe ich den Sprung ins kühle Nass nicht vermisst.
Die kleine gotische Kirche, versteckt am rechten Ortsausgang ist zwei Heiligen geweiht. St. Andreas und St. Jakob. Beide sind auf je einem Fresko links und rechts der Türe zu sehen. Eine älter Bewohnerin die ich vorher nach dem Weg zur Kirche gefragt hatte und die im Schatten des Kirchturms aufgewachsen ist, wusste garnicht, dass sie zwei Patrone hat.

Eine schöne schattige Wanderung schloss sich nach Maria Gail an. Den dortigen Pfarrer habe ich in seiner Mittagssiesta gestört, er hat mir aber den Stempel seiner Kirche gerne gegeben.
Und dann kam das Industriegebiet von Villach. Die Strasse immer entlang, dann einmal nach rechts, wieder links, geradeaus und schon war ich in der Jugendherberge.
Oh Schreck - alles belegt.
ABER ich bekam eine Schlafstelle mit einem schnell aufgebauten Bett in einem nicht benötigten Fernsehraum. Die Dusche und das WC kann ich mit Schlüssel in der derzeit nicht in Betrieb befindlichen Sauna benutzen.
Sogar meine Wäsche kann ich waschen und im Trockner trocken.
Da lacht das Pilgerherz!!
Jetzt werde ich mich in "Schale" schmeissen und eine Stadtbesichtigung machen.


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Anton-Josef (643 Beiträge)
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22. Juni - von Villach nach St. Jakob
23 Jun. 2008 14:36

20 Minuten von der Jungendherberge zur Jakobskirche in Villach.
Beim Pfarramt wurde ich freundlich begrüsst und habe den Stempel der Stadtpfarrkirche St. Jakob in meinen Pilgerpass bekommen.
Nach ein paar Aufnahmen in der Kirche bin ich über den von herrlichen Häusern flankierten Hauptplatz zur Drau gegangen.
Dort beginnt am anderen Ufer der Drauradweg in Villach.

Viel Asphalt, aber zwischendurch auch etliche Kilometer Staubstrasse.
Schnell kam ich nach Kellerberg in Richtung Fetternitz.
Plötzlich wurde ich mit einem Buen Camino begrüsst. Eine Radfahrerin mit einem silbernen Jakobsmuschelanhänger um den Hals, freute sich, dass sie hier einen Jakobspilger trifft.
Sie war dieses Jahr im April und Mai auf dem Camino Frances unterwegs und auch in der Casa Pamplona.
Sie hat sich aber darüber nicht ausgelassen. Die Beiträge im Forumromanum scheinen also zu stimmen.
Sie machte mich darauf aufmerksam, dass etwa nach 500 m ein Grillstand und ein Getränkeausschank sind.
Durst, Durst, Durst liessen meine Füsse schneller werden.
Für etwa 100 Leute waren Bänke und Tische aufgestellt. Es gab also was zu feiern.
Von der anderen Flusseite kam Blasmusik und ein grosses Festzelt war zu sehen.
Die Einweihung einer neuen Fähre gab es gebührend zu feiern.
Nach den Labung war ich der erste Jakobspilger, der nicht über die flussaufwärts gelegene Brücke ging, sondern sich per Kahn über die Drau schippern liess.
Kurz nach dem Verlassen des Festplatzes wurde ich von einem Zeitunsreporter nach dem woher, wohin, warum gefragt.
Er wird versuchen in Verbindung mit der Fähre auch ein paar Zeilen über mich zu schreiben.
Bin gespannt, ob er Wort hält.
Den Artikel (nebst Foto?) will er mir dann per email zukommen lassen. Vielleicht bekomme ich auch den ganzen Zeitungsartikel zugesandt.
Ich habe wegen der Fähre den im Führer vorgeschlagenen Weg etwas verändert und von 330 m auf 600 m hinaufgegangen.
Oben ging es dann über viele Buckel zum Jackelbauern. Dort traf ich dann wieder auf den "Originalweg".
Heiss war es, geschwitzt hab ich wie ein Ochs, es hatte so um die 30 Grad im Schatten.
Ein letztes steiles Wegstück zu meiner Herberge, dem Bauernhof der Familie Tschanutter in St. Jakob.
Nettes Zimmer, nette Leute, 16 Rinder und zwei lustig herumspringende Zwillingskälber, zwei zutrauliche Hunde - einfach ein Idylle.
Die Jakobskirche liegt versteckt hinter einem Bauernhof.
Ich machte Aufnahmen vom Inneren durch ein in der Türe befindlichen Guckloch in Form eines Kreuzes.




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Anton-Josef (643 Beiträge)
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23. Juni - von St. Jakobs nach Lendorf über Spittal
23 Jun. 2008 14:45

Heute ist Postamt- und Kartonsuche angesagt.
Ich habe ja am Samstag in Villach eine gelbe wasserdichte Tasche von Ortlieb erstanden. Es passt alles rein und ist wunderbar zu handeln.
Warum nicht schon früher??
Sie passt wie massgeschneidert auf den Wagen.
Nach dem Frühstück (20 Euro für die Nacht) ging ich nochmals zur Jakobskirche und bekam den schweren grossen Schlüssel im Bauernhaus daneben.
Nicht nur die Figur des Hl. Jakobs ist am Hauptaltar zu bewundern. An der linken Seite des Chors hängt ein altes Gemälde von Jakobus.
Da es keinen Stempel gibt habe ich einen handschriftlichen Eintrag ins Credencial bekommen.
Steil ging es dann nach Insberg in 890 m Höhe und ebenso wieder ins Tal auf 515 m hinunter.
Es war sehr heiss. Auf einem Teerfleck hab ich meinen Fußabdruck hinterlassen.
In Motzbichl hatte ich vor, das antike Museum zu besuchen. Aber leider war Mittagspause und so konnte ich nur die Fundamentfragmente anschauen.
Dann im Eilmarsch nach Spittal auf die Post.
Sehr nette Leute dort, die mir eine Schachtel in der Grösse meines Rucksacks besorgten und alles fein säuberlich verklebten.
Ich danke für die Freundlichkeit.
Jetzt sitze ich im Internetcafe beim Schloss und werde nach Lendorf weitergehen.
Vom Schlossplatz ging es geradeaus aus der Stadt hinaus. Nach wenigen Minuten rechts ab in den „Muldenweg“, der sich nach nur ca 100 m
in einen herrlichen, ansteigenden Waldpfad änderte und bei einer kleinen Siedlung in einen sehr schmalen Wiesenweg überging.
Dann wieder auf weichem Waldboden zur auf einer anliegenden Anhöhe mit der Kirche „St. Peter im Holz“.
Am Hauptportal ein Schild: Die Türe auf der Nordseite ist offen.
Innen prachtvolle aus dem 14. und 15. Jahrhundert stammende Fresken.
Wenige Meter nach der Kirche liegt dann eine Ausgrabungsstätte einer frühchristlichen Bischofskirche. Montags, also heute geschlossen.
Kurz dahinter Fragmente einer römischen Stadtmauer, die von einem kleinen Dach geschützt wird.
Aber da hatte das Schicksal bereits zugeschlagen: Ein Blitz, ein Donner und schon prasselte ein Gewitterregen mit Hagel vermischt für die nächste Stunde vom Himmel.
Im nachlassenden Regen dann auf der Strasse nach Lendorf ins Tal. Der Waldpfad war wegen der vielen Pfützen nicht gangbar.
Im Nebenhaus eines 350 Jahre alten Bauernhauses ein ordentliches Quartier bezogen. 3 Betten plus Couch und eine Terrasse, auf der ich meinen Bericht schreibe.
20 Euro mit Riesenfrühstück.
Meine neue Tasche hat ihre Feuertaufe im Regen bestens bestanden. Alles trocken, alles griffbereit, kein Eintauchen mehr in den Rucksack.
GospeLIX ich danke dir und dem Sporthaus Fella in Villach, die noch eine auf Lager hatte.



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Anton-Josef (643 Beiträge)
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24. Juni - von Lendorf nach Berg im Drauntal
03 Jul. 2008 06:19

Auf einem einsamen Weg, den ich über einen schmalen Wiesenpfad abkürzen konnte,
kam ich zu Billa in Möllbrücke um meinen Wasservorrat, 3 Bananen und 2 Vollkornsemmeln zu erstehen. Dann schnell durch den Ort nach Sachsenburg.
Die dortige Pfarrkirche St. Margaretha ist im 15. Jhdt. Gebaut und 1510 fertiggestellt worden.
Herrliche Fresken und Malereien aus dem 16. Jhdt. sind erhalten. In den Ort selbst geht man durch eine Toranlage.
Er strahlt einen gewissen Charme aus, wahrscheinlich auch deshalb, da kein nennenswerter Verkehr durch den Ort geleitet wird.
Auf dem Drautalradweg geht es dann flussaufwärts über Lind im Drautal, St. Bartholomäus, Steinfeld nach Greifenberg.
Von dort aus wollte ich nicht am Bahngleis entlang sondern auf einem schönen sandigen Fuhrwerk zur Kirche St. Athanas gehen.
„Einfach den Weg entlang, dann durch das ausgetrocknete Flussbett und schon bist du bei der Kirche.“
Aber mit einem hat mein Ratgeber vom Raiffeisenlagerhaus und ich nicht gerechnet.
Das Hochwasser der Drau drückte Wasser in die Bachmündung . Ich habe mit einem langen Stock gemessen,
so ca 3 m lang wird er gewesen sein, und kam auf eine Wassertiefe etwa in der Mitte des Bachs auf über 1 Meter.
Und mein knallrotes Gummiboot zum Übersetzen liegt in der Garage zuhause.
Abgebogen und bachaufwärts zur Bahnlinie. Dort Arbeiter der OBB getroffen. "Geradeaus bis zu einem Wegkreuz,
dann links über einen schmalen Steg und den Fitnessweg entlang. Aber immer die Sonne links bzw. bei Gabelungen die rechte Variante nehmen,
dann kommst du zu einer grossen Wiese und zu einem Wegweiser St. Athanas."
Und wirklich, plötzlich war ich dort.
Das romanische Kirchlein wurde im 15. Jhdt. bereits erwähnt und steht mitten in der Landschaft.
Von dort aus sah ich auch mein nächstes Ziel, Berg im Drautal.
Und warum heisst der Ort Berg i.D. – klar weil er oben liegt, etwa eine halbe Stunde bergauf.
Bei meinen Herbergsleuten angekommen nahm ich zuerst ein Fußbad im kleinen Bach.
Herrlich wie das kalte Wasser über meine Füsse rann. Es waren ja auch schweisstreibende 35 Kilometer gewesen.
Im Schatten des Gartenhäusels gesessen bis das Gewitter mich ins Haus trieb.
Müde war ich, aber ich musste heute glotzofonieren – Die Rosenheimkops – eine Krimiserie aus der Fastheimat.
20 Euro mit reichhaltigem Frühstück.



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Anton-Josef (643 Beiträge)
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25. Juni – von Berg im Drautal nach Lienz (wäre das Ziel gewesen)
03 Jul. 2008 06:25

Im Führer steht:
<< Heute verlassen wir Kärnten und kommen nach Osttirol. Eine muss ja die längste Etappe sein - heute ist es so weit.
Aber da wir kaum Steigungen zu bewältigen haben (Berg liegt auf 660 m) . . . kommen wir doch flott voran
und das eigentlich logische Etappenziel Lienz ist „durchaus erreichbar“.
>>
Das heisst 38 km Strecke. Ich bin sie aber nicht ganz gegangen,
Dichter Morgennebel, der aber bald aufriss und zuerst einmal hinauf auf 800 m und dann in stetem Auf und Ab nach Obertrallach
und von dort ins Drautal nach Dellach, am Fluss entlang nach Oberdrauburg, Ötting ins Tirolerische.
Hinter Nikolsdorf, es ging lange Zeit auf schönen ungeteerten Wald- und Flusrwegen versperrte eine vom gestrigen Unwetter umgestürzte Fichte den Weg.
Opinel heraus, einen Ast abgesäbelt, Wagerl unten durchgeschoben, selber drüber geklettert und schon gings weiter.
Bis, ja bis ich zu einem Zufluss der Drau kam. Auf der anderen Seite auf einer Kiesbank richteten sich zwei Frauen mit Hund und
vier Kindern gerade zum Baden und Spielen häuslich ein.
Abgeschirrt, Schuhe und Socken ausgezogen und durch das knöcheltiefe Wasser samt Fotoapparat hinüber.
Darum gebeten, sie möchten doch bitte so lieb sein und Fotos machen, wenn ich das das Wagerl durch das Wasser ziehe, was sie gerne machten.
Also zurück zum anderen Ufer, angespannt, Schuhe in die Hand und durchgewatet. Bilder davon kommen in meine Galerie.
Die Kinder hatten ihren Spass dabei und mir machte es auch Vergnügen.
Kurze Zeit später ein Hinweisschild „Jakobsweg in Tirol“ und „Wacholderhain Lavant. Ein seltener Bestand von Baumwacholder in den Ostalpen“.
Der Kiefernwald war sehr licht und überall wuchsen Wacholderbüsche und –bäume. Ähnliches gab (oder gibt) es in den Isarauen bei Schäftlarn, südlich von München.
Bald kam Lavant in Sicht.
Ich habe bewusst diesen Weg genommen, obwohl es ein paar Kilometer mehr waren, um dort die beiden Kirchen auf dem Kirchbichl hoch über dem Tal,
aber vor allen Dingen die spätantike Nachfolgesiedlung von Aguntum zu besuchen. Aguntum wurde ca 400 n Chr zerstört
und wurde zum Bischofssitz und zu einer Fluchtburg umgebaut. Diese Entwicklung dauerte ca 500 Jahre.
Bei Grabungsarbeiten hat man die Fundamente dieser Bischofskirche und einige Nebenbauten freigelegt.
So ca 20 bis 25 Minuten geht man die Serpentinentrasse hinauf.
Wegen der langen Besichtigungszeit bin ich in Lavant in einem als Pilgerherberge im Führer vermerkten Haus geblieben und gehe erst morgen nach Lienz.
So sind aus den 38 km nur 34 km inkl. Umweg geworden.
Und dann ging es mir gut. Von den Quartiergebern zum Kaffee eingeladen worden und im Gasthaus eine Riesenportion Griechisch Salat genossen.
25 Euro mit Frühstück, Pilgerzimmer ohne Dusche hätte einen 10er weniger gekostet.




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Anton-Josef (643 Beiträge)
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26. Juni – von Lavant nach St. Justina, Gemeinde Assling
03 Jul. 2008 06:34

Nach 1 km auf der Strasse kam ein 7 km langer Schotterweg nach Lienz an der Drau entlang.
Dazwischen war auch Waldboden unter meinen Füssen.
Und wie schon am Vortag war ein Baum, eine mehrstämmige Weide quer über dem Weg gelegen.
Ein Jogger aus Lienz, der mich 2 Tage vorher mit meinem Gefährt irgendwo gesehen hatte, half mir beim Drüberheben meines „Pilgerporsches“.
Und dann ging es flott weiter.
Der Weg scheint auch ein Gassirevier Lienzer Hundebesitzer zu sein. Jedenfalls kamen mir so an die 20 Hunde mit Anhang entgegen.
Unter anderem eine Frau mit einem Schäferhund, die freundlich auf meinen Gutenmorgengruss antwortete und
mich nach ein paar Minuten von hinten ansprach, ob ich mal stehen bleiben könnte.
Sie hat mich wegen der Muschel auf meinem Nummernschild als Jakobspilger erkannt und gefragt, ob ich ein Haferl Kaffee haben möchte.
Ein schattiges Plätzchen auf der Terrasse in einem gepflegten Garten mit Teich, Rosenbeet und Rittersporn.
Sie erzählte mir, dass ihre Schwester von Oberösterreich nach Santiago gegangen ist
und sie beide vor einem Monat von Oberösterreich nach Mariazell gewallfahrtet sind. Ohne Führer nur mit einer Strassenkarte und viel Umwegen.
Ansonsten haben wir über dies und das und jenes geratscht. Als ich mich von ihr verabschiedet habe, habe ich ihr mein letztes Foto
mit mir und meinem Wagerl mit einer Widmung des Dankes für den Kaffeeplausch geschenkt.
Da das Haus direkt an der Drau steht, war ich nach ein paar Minuten mitten in der Stadt.
Urlaubertrubel. 2 SD-Karten gekauft (die Videoclips brauchen viel Speicher), ein paar Postkarten geschrieben und
die kleine Antoniuskirche, die der orthodoxen Kirche gehört, besichtigt.
Dann ging es mal rechts, mal links von der Drau in Richtung Thal. Rechts ab 3,2 km nach Assling.
Wenn man schon ein Asslinger ist ist es Pflicht der Namensgemeinde in Osttirol einen Besuch abzustatten.
Eigentlich nicht tragisch, aber Thal liegt auf 820 m und Assling auf 1200 m.
Ich „musste“ aber auch aus einem anderen Grund hingehen.
Es gibt dort die Walter Stub‘n . Und da wollte ich mein Pilgermenü essen und auch nächtigen.
Aber Betriebsferien. Der Inhaber packte gerade sein Wohnmobil aus.
Er kam gerade mit ein paar Freunden von einer mehrtägigen Mountainbiketour am Gardasee zurück.
Und ich bekam ihn – den Stempel von den Walter Stub’n in Assling. Ein wenig gross für den Pilgerpasse, aber passt schon.
Er schenkte mir noch eine Wanderkarte von Assling und Umgebung, einen Liter Orangensaft zur Stärkung und zeigte mir den Weg, den ich nehmen sollte.
Er ist als „Nebenweg des Jakobswegs“ offiziell ausgeschildert. Über die Pustertaler Höhenstrasse.
Aber welche normale Pilger macht solch einen Umweg mit diesen Steigungen?
Dann ging es vom Schotter rechts ab auf einen Waldweg. Steil war es schon am Anfang. Der Wagen drückte ganz ordentlich nach vorne.
Und der Weg wurde immer schmaler. 5 cm schmaler hätte er nicht sein dürfen, sonst wäre das linke Rad ab und zu in der Luft gehängt.
Nach der Kirche St.Justina kam ich an einem Haus vorbei und fragte, ob es noch weit bis nach Anras wäre. So gut eine Stunde wird es schon dauern war die Antwort.
Genau in diesem Moment sah ich an der Hauswand ein Jakobswegszeichen und Jakobsherberge.
Und dann bin ich gleich geblieben. Ein über 100 Jahre altes ehemaliges Gasthaus, das behutsam renoviert worden ist und den Charme
der letzten hundert Jahre dadurch nicht verloren hat.
Zum Abendessen gab es das, was auch die Familie bekam. Grüner Salat und Tirolerknödel (Speckknödel) in der Suppe
mit selbstgemachten Ribisel- (Johannisbeer)saft.
Es wurde immer dunkler.
Ein Gewitter stand an. Schnell der Frau des Hauses geholfen und so an die 15 m Balkonblumen in Sicherheit gebracht - schon ging der Regen mit Hagel los.
Ein paar Postkarten und Bericht geschrieben und ab in die Falle ohne Euro2008.
Gegen 23 Uhr wurde ich wach. Es war immer wieder taghell. Hunderte von Blitzen gingen hinter dem Berg (dort liegt Lienz) zu Boden.
Ich habe davon einen Videoclip gemacht. Leider kann ich den nicht in der Galerie verknüpfen.
Nach einem feudalen Frühstück, Preis für alles bleibt mein Geheimnis ging es wieder los.




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Anton-Josef (643 Beiträge)
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27. Juni – von St. Justina nach Toblach
03 Jul. 2008 06:36

Auf der Pustertaler Höhenstrasse ging es wieder 1000 m – 1200 m – 1100 m – wieder auf 1200 m hinauf und so ging es in einem fort.
Bis Anras, durch Asch nach Abfalterbach auf 980 m Meereshöhe.
Kurz vor Erreichen des Orts meinen Wäfo übergestülpt und just als ich unter dem Vordach des Sparladens stand kam zum Regen
wieder der Hagel mit bis zu 2 cm Durchmesser Körnern.
Zur Jakobskirche in Strassen, sehr sehenswert mit den alten Fresken aus den Jahren um 1450 ging es wieder hinauf auf knapp über 1200 m.
Ich befinde mich ja mitten im Hochgebirge.
In Strassen hätte ich lauf Führer schon gestern eintreffen sollen. Man kann hier die Etappen nicht so planen wie auf dem CF
wo alle Naslang eine Herberge , eine Bar oder ein Laden ist.
Aber jetzt ging es zur Abwechslung ins Tal (1000 m Hohenunterschied) nach Silian.
Tote Hose, kein Restaurant offen, aber ein Geschäft. Joghurt, 2 Bananen und als Luxus (wegen meines Zuckers) einen Liter Kirschsaft pur.
Es war schon weit nach Mittag. Das stete auf und ab hat mich ganz schön geschlaucht.
Und ich wollte nach Toblach.
So hab ich mich einfach für 2,40 € in den Zug gesetzt und bin 1 Haltestelle nach Innichen gefahren. Wäre sowieso wieder nur Asphalt gewesen.
Früher haben sich Pilger bestimmt auch ab und zu auf einen Ochsenkarren gesetzt.
Von der Kirche in Innichen, hier endet die Bahnstrecke wegen Gleisbauarbeiten bis Franzensfeste, bin ich wieder per pedes gegangen.
Vor Toblach wurde der Weg um ein Fernheizkraftwerk, das mit Hackschnitzel betrieben wird, herumgeleitet.
Die Jugendherberge war voll belegt.
Es findet gerade ein internationales Bouletournier statt und die nicht gerade armen Teilnehmer aus Norddeutschland (dicke Geländewagen vor der Türe)
haben samt Familien das ganze Haus für sich „gemietet“. Hier kann man für 1,50 € eine Tagesmitgliedschaft im ital. Jugendherbergswerk erwerben.
Für Besitzer eines deutschen Jugendherbergsausweises kein Platz.
Aber die Nummer einer Vermieterin im Führer hat mir Glück gebracht.
Nicht weit vom Stadtzentrum bekam ich das Appartement im Nebenhaus zum Preis eines Zimmers.
Wohnraum mit Essecke und Küchenzeile, Schlafzimmer, Bad mit Wanne (welche Wonne darin zu liegen) und einen Vorraum.
Die Dame des Hauses bringt das Frühstück um 7 Uhr rüber. – 20 Euro –
Sie war ganz verzweifelt. Der gestrige Hagel hat alle Kirschen und auch die angesetzten Äpfelchen runtergeworfen und alle Blumen im Garten geknickt.
Übrigens: Ein Bergsteiger, der was über mich bei Thekla und Aloys gelesen hatte, hat mich erkannt. Er war auf dem Heimweg nach Deutschland.
Jetzt sitz ich in der Pizzeria und warte auf meine Tagliatelli mit Steinpilzen für 7,50 und mach mir Notizen über den Tag.
Die billigste Riesenpizza kostet gerade mal 4,50, die teuerste gerade mal 7,60.




Geändert von aufdemweg am 14.Nov.2011 12:49


Anton-Josef (643 Beiträge)
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28. Juni - von Toblach nach Sonnenburg über Bruneck
03 Jul. 2008 07:08

Mein Quartier lag so günstig, dass ich nur etwa 2 Kilometer durch den Ortgehen musste.
Der erste Wegweiser zeigte 27 km nach Bruneck und in der anderen Richtung ebenso weit nach Cortina d’Ampezzo !!
Auf einem Schotterweg kam ich am Gustav-Mahler-Haus vorbei. Hier hat der Komponist zu Beginn des 20. Jahrhunderts gewohnt und komponiert.
Am Haus begann auch ein wunderbarer Waldweg. Durch ein Viehgatter ging es quer über eine Weide.
Am Ende des Wegs durch die Wiese half mir ein 72-jähriger Viehhirte mein Wagerl über den Elektrozaun zu heben. Er hütet 58 Kälber.
Nächste Woche geht er mit ihnen auf die Hochalm. Er macht das nun schon seit 15 Jahren.
Mit 57 ist er, wie in Italien üblich nach 40 Arbeitsjahren in Rente gegangen.
Kurze Zeit später lief ich durch eine Grossviehweide. Zwei Kinder versperrten mir mit einem Stock den Weg und baten um eine Spende für arme Kinder.
„Das seid wohl ihr selbst?“ „Nein, wir sammeln für die armen Kinder in Afrika!“
Egal, wem es schliesslich zugute kommt. Ich hab alle meine roten und grünen Münzen in die Kappe geworfen.
In Oberolang, dort ein warmes Vintschgerl (eine Art flache Semmel aus dunklem Mehl) mit Käse gegessen, nach Niederolang bis zur Abzweigung Nasen gewandert.
An der Stelle eine junge Bikerin wegen der dortigen Kirche gefragt. Sie hat versucht den Mesner per Telefon zu erreichen.
Der war nicht da um aufzusperren. Deshalb hab ich mir diesen Umweg erspart.
Weiter auf einem tollen Weg. Rechts mitten im Wald sah ich eine Lichtung, ein Häusl und eine Menge Leute. Nix wie hin.
Ein grosser Teich und etwa ein Dutzend Fischer versuchten ihr Glück.
Tatsächlich, der von mir ausgesuchte Angler hatte bald eine Forelle am Haken und ich vom zuckenden Schwimmer bis zur Anlandung ein Stück Film in der Kamera.
In der Hütte ein Colawassermix geschlürft und auf zu den letzten Kilometern nach Bruneck.
Vorher noch zwei für Radler und Wanderer angelegte Tunnels mit 220 m bzw 200 m durchquert.
Vorbei am Schwimmbad in den Markt Bruneck. Eine Stadt die an allen Ecken noch Tortürme hat.
Und ich fand kein Quartier, alles ausgebucht.
Ein Standlbesitzer, von Antiquitäten über Getränke, Obst, Hischgeweihe, allerhand Krimskrams und jede Menge getrockneter Steinpilze
bemühte sich eine Schlafstelle für mich ausfindig zu machen.
Vergebens. Und im Kapuzinerkloster sagte mir der Bruder Pförtner, ich bin nicht aus Bruneck und weiss deshalb nichts.
Was soll das Jammern. Nach 31 Kilometern die Füsse wieder angeschmissen und den Jakobsweg weitermarschiert.
Nach 7 Kilometern, davon natürlich wieder einige bergauf kam ich nach Sonnenburg. Gleich beim 2. Haus Glück gehabt.
Es gab ein Zimmer mit Dusche und Frühstück. 15 Euro nur.
So bin ich heute 38,39 km weit gekommen bei 8,5 Stunden reiner Gehzeit und rechtschaffen müde.
Geduscht, geschrieben, Pustertaler Zeitung durchgeblättert und ab in die Falle.
Und heute die 500 Kilometermarke überschritten.



Geändert von Anton-Josef am 3.Jul.2008 8:54


Anton-Josef (643 Beiträge)
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29. Juni - von Sonnenburg nach Mühlbach
03 Jul. 2008 08:58

Nach einem kurzen Intermezzo auf Asphalt kam ein traumhafter Waldpfad, der es aber teilweise in sich hatte.
Steil und schmal. An manchen Stellen waren die Bäume so dicht beieinander, dass ich abschirren musste um das Wagerl quer durchzuheben
und beim steten auf und ab über dicke Baumwurzeln und grosse Steine war es nicht unbedingt ein Vergnügen mit dem Wagen
statt mit einem einfachen Rucksack unterwegs zu sein.
In St. Sigmund war gerade Messe und danach bekam ich vom Pfarrer, einem Pater aus dem Chorherrenstift der Augustiner in Neustift
den begehrten Jakobskirchenstempel in meinen Pilgerbegleitbrief.
Mit seinen besten Wünschen ging es auf den Wanderwegen 2 und 2A über Hofen, Dörfl, Niedervintl nach Mühlbach.
Vor Mühlbach war jedoch eine schweisstreibende Wegstrecke zurückzulegen.
Über die Rienz geht eine extra für Jakobspilger ausgeschilderte Hängebrücke.
Danach sehr steil nach oben, ein Stück eben über ein Plateau, aber dann ein Wegstück, das beim besten Willen nicht für einen Anhänger gedacht ist.
Also knapp eine halbe Stunde wieder zurück, über die Hängebrücke retour und nach einer weiteren halben Stunde auf dem Radlweg war Mühlbach erreicht.
Kein Privatquartier war aufzutreiben. Also rein ins Hotel Seppi, das auf Tagesgäste eingerichtet ist, meist Motorradfahrer
oder Holländer mit Zwischenstop auf dem Weg in den Urlaub an der Adria.
Ein Pilgermenü das es in sich hatte:
Salat, Spaghetti, Rindersteak mit Gemüse und zum Abschluss ein Stück Apfelkuchen.
Welche Völlerei und geschmeckt hat es nach diesem Tag auch sakrisch gut.
Gleich gegenüber ist die zum Teil aus dem 15. Jhdt. stammende Kirche mit herrlichen Aussenfresken und einem eigenwilligen modernen Anbau,
in dem jetzt die Messen gelesen werden. Für den Anbau musste ein Teil der linken Fassade der alten Kirche geopfert werden.
Stimmt:
Heute ist Sonntag, der 29. und das Endspiel um die Europameisterschaft 2008. Der Wirt hatte eine Fanmeile eingerichtet.
Aber bei Beginn der 2. Halbzeit war ich so müde, dass ich mich hinlegte.
ÜmF 30 Euro.



Geändert von aufdemweg am 14.Nov.2011 12:54


Anton-Josef (643 Beiträge)
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30. Juni - Montag von Mühlbach nach Sterzing
03 Jul. 2008 09:08

Gleich nach dem feudalen Frühstücksbuffet machte ich mich auf die Socken – Wasserkauf war angesagt.
Und dann kam unmittelbar der Aufstieg über den „Stöcklvaterweg“ zur gleichnamigen Kapelle.
Ab dort ein lichter Waldweg durch einen Kiefern- und Lärchenbestand. Der gesamte Waldboden ist mit niedrigem Heidekraut bedeckt.
Schade dass es nicht blühte. Es muss eine Pacht sein.
An einer Kreuzung zweigte der Pfad ab zur Zivilisation.
Asphalt erwartete mich wieder und der Radlweg führte mich nach Franzensfeste.
Von einer Frau, früher Lehrerin und Bürgermeisterin (sie unterrichtete auch den Pater aus dem Chorherrenstift) schenkte mir
für meine Blumenvase am Wagen ein paar Blumen und eine Rose.
So geschmückt ging es mit verschiedenen Wegbelägen über Mittewald nach Niederried.
Ab und zu sieht man am Weg noch Überreste von Bunkern des ital. Militärs aus den 1. Weltkrieg.
Nach Silfes kommt das „Sterzinger Moos“, das wegen des starken Regens in der Nacht nicht ohne weiteres passierbar war.
Also Radlweg nach Elzenbaum bei der Burg Reifenstein.
Im Ort gibt es das Gasthaus Goldener Löwe mit einer Gedenktafel.
"Zur Erinnerung an die Anwesenheit seiner kaiserlichen Hoheit des Herrn Erzherzogs Ferdinand Karl von Österreich am 3. August 1896."
Und heute, am 30. Juni 2008 begehrte der Jakobspilger und Rentner Anton-Josef einen kühlen Trunk.
Mit einem barschen „Wir sind nur Bed and Breakfast“ wurde ich stehen gelassen.
Ein paar Kilometer weiter war eine Autobahnraststätte. Ich bin von hinten hineingegangen. Der kleine Umweg hat sich gelohnt.
Mit Speis und Trank im Magen machte ich mich auf die letzten Kilometer nach Sterzing auf. Ich wollte ja noch unbedingt zur Jakobskirche in Thuins.
Und wo liegt die Kirche? Richtig geraten, etwa eine halbe Stunde bergauf. 20 Meter neben dem Schotterweg für Fußgänger
schlängelt sich die Teerstrasse den Berg hinauf. Und dieser Fußweg ist etwas Besonderes. Ein Besinnungsweg.
Statt der üblichen Kreuzwegstationen stehen Stelen mit Teilen des Vater Unser am Weg. Geschmückt mit modernen Bildern.
Oben angekommen – welche Überraschung. Das Kirchlein war offen. Ein gespanntes Seil mit einem Schild ALARM hinderte näher an den Altar zu kommen.
Eine schöne Maria im Rosenkranz hängt in der Mitte des Schiffs. Das Altarbild zeigt die Enthauptung des hl. Jakobus.
Am Brunnen des daneben liegenden Bauernhauses getrunken und die Via Ville nach Sterzing rein, direkt zur Margarethenstrasse.
Nr. 14A ist als Pilgerherberge im Führer angegeben. Der Eingang zum Haus liegt sinnigerweise am St. Jakobusweg.
Geduscht, umgezogen und gleich die wenigen Meter in die Stadt gelaufen. Beim Kloster der Kapuziner und der Styler Missionsschwestern
habe ich nach einem Stempel angefragt. Nach zwei Gläsern frischen Ribiselsaft wurde ich von einer Schwester zum „Widum“ geschickt.
Der sehr freundliche Pfarrer fragte mich, ob ich schon bei der St. Jakobskirche war. Guten Gewissens konnte ich das bejaen und meinte,
dass es schade ist, dass es dort keinen Stempel für die Pilger gibt.
„Den bekommen sie von mir, das renovierte Kirchlein gehört zu meiner Pfarrei.“ Nach warum, wieso, woher, wohin und exakten Fragen
warum mein Pilgerbrief sich von den ihm bisher vorgelegten unterscheidet, entliess er mich mit den besten Wünschen auf den Weg.
Quer durch die Stadt geschlendert, eingekauft, insbesondere Wasser für die anstehenden 32 km für den Aufstieg auf den 1370 m hohen Brennerpass.
Er ist das dritthöchste Hindernis auf allen Wegen die nach Santiago führen. Höher sind nur der Arlbergpass und das Cruz de Fierro.
Hundemüde hingelegt und um 22.30 wieder aufgewacht. Diesen Text formuliert, als Schlummertrunk noch ein viertel Spritzer getrunken.
Um 23.30 ist nun Sendepause.




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01. Juli - Dienstag - von Sterzing nach Steinach am Brenner
03 Jul. 2008 18:08

Um 7.30 Frühstück, 15 Euro bezahlt und gleich nach einer unruhigen Nacht losmarschiert.
Erstens über 25 Grad und zweitens liegt direkt neben dem Haus das Altersheim. Wegen der Temperatur liess ich das Fenster offen,
aber immer wieder wurde ich durch Schreie, Gestöhne und Gehuste wach.
Eigentlich auch nicht viel anders als in den oft überfüllten Riesenschlafsälen in Spanien.
Und ich Trottel hätte ja nur meine Ohrstöpsel hernehmen müssen.
Die Beschreibung um aus dem Ort zu kommen war perfekt und so gelang ich auf guten Wegen über Oberried nach Gossensass.
Die Stiege zur Kirche mit ihren bestimmt mehr als 50 Stufen habe ich mit einem Umweg umgangen.
Es wäre mir zu beschwerlich gewesen den Wagen raufzutragen, aber auch so kam ich mit einigen Minuten Verzögerung dorthin wohin ich wollte.
Der Weiterweg nach Pontiggl ging wieder teilweise über Asphalt.
Und dann der Hohn im Führer:
<< Ab Poniggl geniessen wir das seltene Privileg, für eine Weile die historische Passstrasse zu benützen.>>.
Im Klartext heisst das nur, du musst einfach auf der alten Brennerstrasse am Randstreifen entlang gehen.
Gottseidank sind relativ wenig Autos und LKW’s unterwegs gewesen.
Weiteres Zitat:
<< … und steigen bis zum Gleiskörper des stillgelegten Teilstücks der Brennerstrasse
(Anm.: gemeint ist nicht die Brennerstrasse sondern das ehemalige Eisenbahngleisbett) hinauf.
Auf dem Schotterbett gehend ersparen wir uns ….>>
Ich habe auf diesen Schotterweg verzichtet und bin bis zur Grenze auf der Strasse geblieben.
Der Pass musste gefeiert werden – ein Haferl Kaffee, einen Aufkleber fürs Wagerl und für zuhause ein Paket mit getrockneten Steinpilzen.
Dann ging es dem Führer entsprechend kurz nach der Grenze in den Wald und ins Unterholz Richtung Brennersee.
Ein teuflischer Weg wie sich bald herausstellen sollte. Schmal für einen Fußgänger, seitlich abfallend, aber umkehren galt hier nicht.
Ich wusste ja von mehreren Durchfahrten mit dem Auto und Motorrad, dass der See nicht weit von der Grenze weg liegt.
Und so hab ich mich geschunden, mein Gefährt auf einem Rad hinunterzubalanzieren.
Es hat eine Menge Energie und Kraft gekostet, ein zweites Mal würd ich das Stück auf dem normalen Spazierweg umgehen.
Aber dann hätte ich das nicht gesehen:
Eine voll erblühte dunkelrote Türkenbundlilie mit 7 Blüten. Ihr könnt dieses Prachtexemplar bald hier verlinkt anschauen. (hier klicken)
Um den See geht ein leicht feuchter Weg an dessen Rand fleichfressende Pflanzen und jede Menge Knabenkraut wachsen.
Bis Gries am Brenner auf einem teilweise verwachsenen Pfad bergauf und bergab, viele Höhenmeter kommen da täglich zusammen.
In der Ortschaft hinter dem Cafe Sprenger führt ein sehr steiler Weg etwa 20 Minuten hinauf zur Jakobskirche
(Offen, im Vorraum haben früher die Pilger übernachtet hat mir ein Bauer erzählt) und weiter über die Hochebene von Nösslach.
Das treten des Asphalts bin ich nunmehr einige hundert Kilometer gewohnt. Und immer vom stetem auf und ab
zu schreiben ist mit der Zeit auch langweilig, aber jeden Tag sind hunderte von Höhenmetern zurückzulegen,
manchmal sogar mit einer 2 für zweitausend davor (Höhenmesser mit Additionsfunktion in der Suunto Armbanduhr).
In Steinach bekam ich Quartier in einer Pension mit Blick auf eine der vielen Autobahnbrücken.
Interessant war es zu sehen, wie viele Lkw’s rollen. Wie ein Bandwurm rollten sie gen Süden bzw. nach Norden.
Die Pkw’s waren in der Minderzahl, trotz Ferien.
Abends hat es geregnet, Brotzeit auf dem Zimmer mit meiner Brotzeitausrüstung (Geschirrtuch als Tischdecke,
Kunststoffbrettchen, Messer, Göffel, Salzbüchserl, was man halt auch im Biergarten zum Essen braucht).
Wieder in einem 2-Zimmer-Appartement residiert. (24 Euro ohne Bettwäsche, da ich den Schlafsack hergenommen habe.
Übrigens habe ich die zusätzliche Schleife über Jodok am Brenner ausgelassen.
Lt. Führer:
<<…die Geleise unterquert und dann recht steil im Wald bergauf den Weg mit der Markierung 38 …
Der Pfad verläuft praktisch am Waldrand am Zaun entlang, ist manchmal steil, schmal und nicht leicht zu begehen.>>
Und das musste ich mir nicht auch noch antun bei einer Normalentfernung Sterzing / Steinach von 32.5 km und veranschlagten 7:45 Stunden.




Geändert von aufdemweg am 14.Nov.2011 18:19


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02. Juli - Dienstag von Steinach nach Innsbruck
03 Jul. 2008 22:38

Von Steinach bergauf und fast immer auf dem „Wipptaler Wanderweg“, der grösstenteils geteert ist nach Matrei.
Dort könnte man einen Abstecher nach Maria Waldrast machen.
Lt. Führer etwa 1 ½ Stunden, der Wegweiser des Orts sagt 2 Stunden. Und diese Strecke musst natürlich dann auch wieder zurückgehen.
Meine Überlegung: Nicht machen. Ich fahr bestimmt des öfteren diese Strecke mit dem Motorrad in die Dolomiten und da besuch ich dann diese Kirche.
Ab Matrei wieder harten Belag unter den Füssen und ein kurzer Wiesenweg vor Pfons.
Hier beginnt die Ellbögener Strasse. Und immer dieser Strasse nach bis zu einer Abzweigung auf einem Wiesenweg,
aber nur ein kurzes Stück, dafür aber traumhaft bis Mühltal.
Dort geht es durch einen Torbogen und durch den Wald talwärts. Unterwegs kommt man an einer verfallenen Mühle vorbei.
Auf ansteigendem Weg nach Patsch und über die Felder (lt. Führer, in Wirklichkeit aber geteert) nach Igls.
Der Poltenweg führt dann oberhalb von Innsbruck durch einen Wald. Von dort aus sieht man die Sprungschanze von der Rückseite.
Steil bergab auf einem Fortweg an einem Kraftwerk vorbei und die Vororte von Innsbruck sind erreicht. Fast geradeaus geht es in die Innenstadt.
Leider hat es dann zu regnen angefangen. Aber für ein paar Bilder vom Goldenen Dachl hat es gereicht.
Und Touristen, insbesondere Japaner haben mich von vorne und seitlich und von hinten fotografiert.
Anscheinend hatten die noch nie jemand gesehen, der einen Wagen hinter sich herzieht.

Nach der Besichtigung der Jakobskirche , die gleichzeitig der Dom von Innsbruck ist, habe ich einen Pfarrer der Probstei rausgeklingelt,
recht freundlich empfangen worden, obwohl keine Sprechstunde war.
Kommentar: "Für Pilger sind wir immer ansprechbar." und den Stempel der Kirche in mein Credential bekommen.

Ja und da war das erste Ziel meiner Pilgerei erreicht.




Geändert von Anton-Josef am 23.May.2009 7:04


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War es das ??
03 Jul. 2008 22:51

Was nun? Die grosse Frage.

Von den ca. 660 Kilometern bin ich bestimmt mehr als zwei Drittel auf hartem Asphalt gegangen.
Und so geht die Strecke durch Nordtirol und Vorarlberg weiter.

Ich bin einfach zum Bahnhof gelaufen, hab mir eine Fahrkarte von Innsbruck nach Rosenheim für 24 Euro gekauft.
In Rosenheim auf den Anschlusszug nach Grafing/Bahnhof gewartet und mich von dort abholen lassen.
So gegen 22 Uhr war ich nach genau einem Monat wieder zuhause.

Und jetzt verarbeite ich meine Erlebnisse und Eindrücke und bereite mich ganz gemächlich auf die Fortsetzung des Wegs ab Innsbruck vor.

Ich werde aber diesmal einen Weg, so es einen gibt der mit meinem Pilgerporsche gangbar ist, mit Wanderkarten selbst zusammenstellen.



Geändert von Anton-Josef am 4.Jul.2008 20:27


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Meine Wegstrecke vom 09. Juni bis 02. Juli
04 Jul. 2008 20:25

Orientiert habe ich mich an den Daten des Führers von Peter Lindenthal
Auf dem Jakobsweg durch Süd-Österreich, Slowenien und Südtirol
von Graz über Marburg, Kärnten, Ost- und Südtirol nach Innsbruck
aus dem Tyrolia-Verlag - www.tyrolia.at - ISBN 978-3-702-2438-7

Nachstehend die vorgeschlagenen 21 Etappen:

in der Steiermark:
Thal bei Graz
Graz
Wildon
Ehrenhausen

in Slowenien:
Marburg
Puscava
Vuzenica

in Kärnten:
Lavamünd
Wasserhofen
Glainach
St. Jakob im Rosental
Villach
St. Jakob ob Ferndorf
Lendorf
Berg im Drautal

in Osttirol:
Lienz
Strassen in Osttirol

in Südtirol:
Toblach
Bruneck
Mühlbach
Sterzing

in Nordtirol:
Steinach
Innsbruck


Ich habe diese Vorgaben nicht immer berücksichtigt und manchmal in anderen Orten übernachtet.
Entweder wetterbedingt
oder weil ich einfach anders als vorgeschlagen gegangen bin
oder weil es wie in Glainach auch im Jahr 2008 noch keine Unterkunftsmöglichkeit gibt.

Von Graz nach Innsbruck sind es ca 610 Kilometer, dazu kamen ca 50 km wegen meiner gewollten Abstecher und Umwege.

* * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * *

Nicht zu empfehlen ist das Heft der Sankt Jakobsbruderschaft Sulz im Wienerwald.
Daraus habe ich nur vereinzelt die Telefonnummern von Zimmervermietern verwendet.
Die Kärtchen im 30 Euro teuren Heft sind NICHT geeignet, den Weg zu finden.
Für einige Orte sind die GPS-Daten eingetragen.

Beispiel:
Strecke Unterried - Brenner
Die Beschreibung auf Seite 50 liest sich z.B. so:

Übernachtungsmöglickkeit:
Ried: ...
Gossensass: ...
Brennerbad: ...
Weg:
Der Weg geht mehr oder weniger ansteigend, problemlos.

Dazu die GPS-Daten und Höhenangaben auf dieser Seite:
Unterried - Höhe 1018 m
Pontiggl - Höhe 1.747 m (???)
Brennerbad - Höhe 1323 m
Brenner - Höhe 1403 m

Ist das mehr oder weniger ansteigend?



Geändert von Anton-Josef am 23.May.2009 7:05


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Gedanken zum ersten Teil meiner Pilgerreise 2008
18 Jul. 2008 09:34

Der Weg hält keinen Vergleich mit einem Jakobsweg in Spanien aus.
Ich würde ihn eher als Wanderweg einstufen. Es fehlt einfach die Spiritualität. Aber er führt nach Santiago de Compostela.
Ausserdem ist die Beschilderung noch sehr lückenhaft, was aber darauf zurückzuführen ist, dass noch zu wenig Pilger unterwegs sind.

Zwischen Thal/Graz und Innsbruck kommt man 18 Jakobskirchen vorbei, die meist aber geschlossen sind.
Auch bekommt man nicht bei jeder dieser Kirchen einen Stempel in den Pilgerbegleitbrief (Credencial)
obwohl das als Jakobspilger wünschenswert wäre, bzw. es fehlt der Hinweis, wo man ihn bekommen könnte.
In St. Jakob ob Ferndorf habe ich vom Mesner einen handschriftlichen Eintrag bekommen. Hat mich sehr gefreut.

Nach Aussage von Touristeninformationsbüros, Pfarreien und Vermietern gehen keine 100 Pilger diesen Weg im Jahr.

Als Pilger bist du fast ein Exot, ich mit dem "Pilgerporsche" erst recht.

Aber meine Einzelerlebnisse sind es, die mir immer in Erinnerung bleiben werden:

** Die Wallfahrt in Vucenica/Slowenien nach St. Anton
-- Dank an den Hw Herrn Pfarrer und die Familie Praper
** Dank auch an die Bevölkerung von Vuzenica für diese kleine wunderschöne Herberge . Ich habe mich bei euch sehr wohl gefühlt.
** Die Begegnung mit Nada der Wirtin, bei der in diesem Jahr noch kein Pilger eingekehrt ist obwohl sie im Führer vermerkt ist.
** Die Gespräche mit einzelnen Wegbewohnern, wie
-- dem "Ohrenwehmann" über die Grabkapelle
-- dem alten Kramladenbesitzer, der immer noch von seiner Pilgerreise nach SdC schwärmt
-- für den Kaffee im Schatten eines Hauses in der Nähe von Lienz in einem wunderschönen Garten
-- (Leider hab ich den Namen vergessen sonst hätte ich geschrieben.) (zwischenzeitlich erfahren)
** Das Essen bei Pfarrer Kristof - welcher Pilger macht schon einen Tag Rast in St. Margareten?
** Für das Vertrauen von Pfarrer Buch, der mir den Schlüssel zur Jakobskirche oben auf dem Berg gab, damit ich in Ruhe die Kirche besichtigen konnte.

Und einen besonderen Dank an alle, die mir den Weg in irgendeiner Weise "verschönt" haben und die ich hier nicht alle erwähnen kann..

Das Alleinsein untertags macht mir nichts aus.
Die Begegnungen mit gléichgesinnten Pilgern fehlte mir jedoch an manchen Abenden.
Dafür waren die "Herbergseltern" sehr nett und haben mich nicht wie einen normalen Sommerfrischler behandelt.

Ich werde den Weg ab Innsbruck nach einer kleinen Auszeit fortsetzen.




Geändert von Anton-Josef am 28.Jul.2008 23:25


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31. Juli von Assling über Innsbruck nach Inzing
04 Aug. 2008 19:57

Nachdem in der Nacht zum Dienstag über Innsbruck und Umgebung so schwere Unwetter waren, habe ich kurzerhand meine Abreise auf heute verschoben.
Die Zeitung TT schreibt – Sellrainstrasse bleibt weiter gesperrt. Besonders der Bereich um Kemnaten, und da kam ich heute durch, ist schwer betroffen. Die Strasse nach Igls bleibt auch in den nächsten Tagen gesperrt.

So bin ich heute mit dem Zug um 07:09 Uhr nach Rosenheim und von dort nach Innsbruck gefahren. Ankunft 09:24 Uhr. Der erste Weg führte mich in die Jakobskirche und anschliesssend in das Pfarrbüro um mir den ersten Stempel für den 2. Teil meiner Pilgerreise zu holen.
Der Weg aus der Stadt führte mich an der Universität vorbei und immer am rechten Innufer entlang. Zuerst auf einem Radweg, dann auf Schotter nach Völs. In Alfing wurde ich von Marianne „der Mutter der Pilger“ empfangen. Sie ist etwa 70 Jahre alt und freut sich über jeden vorbeikommenden Pilger. Am Eingang zu ihrem Garten ist ein Holzkasten mit einem Pilgerbuch und dem Stempel der Pfarrkirche Kemnaten mit dem Zusatz Jakobsweg und Muschel angebracht. Ein nodicwalkendes Ehepaar und ich haben uns mit ihr unterhalten. Die beiden sind dann ein Stück des Wegs mit mir gegangen.
Als ich auf einer schattigen Bank eine kleine Pause eingelegt habe, kam ein Mann mit einem fröhlichen „Ultreia“ zu mir und stelle sich als Lois vor. Er fragte nach dem woher und wohin und erzählte mir, dass er für die Ausschilderung des Jakobswegsabschnitts Innsbruck nach Stams zuständig ist. Ein Schmied im Zillertal hat ihm ein Brandeisen gemacht und die Holzzeichen mit der Muschel sind allesamt von ihm. Peter Lindenthal und Elisabeth vom Turnerhof in Kärntern haben auch Schilder von ihm an Bäumen angenagelt. Lois hat mich auch zu einer Wallfahrt von Inzing nach Stams anlässlich des 1. Todestages seiner Schwester eingeladen. Sie würden morgen nach dem Pilgersegen in Inzing zwischen halb und acht Uhr losgehen.

Der weitere Weg wurde zum schmalen Pfad bzw. einem schönen Wiesenweg bis zum heutigen Ziel in Inzing.

Per Telefon habe ich die Quartierfrage mit dem Pfarrherrn klargemacht. Im Widum (so wird der Pfarrhof in Tirol genannt) ist eine Herberge eingerichtet. Ein Raum mit 2 Stockbetten, Eckbank, Tisch, 2 Stühlen und Kommode. Dusche, 2 Waschbecken und Toilette sowie eine komplette Küche über den Gang.
Pilger was willst du mehr.

Nach dem Frischmachen schnell bei ADEG eingekauft, angefangen diesen Bericht in den EEE zu klopfen und jetzt um 19.00 Uhr läuten die Kirchenglocken. In einer halben Stunde ist Heilige Messe. In der Kirche sind neben dem Eingang alte Votivbilder und Votivtafeln zu sehen.
6 Frauen und 2 Männer. Hw Herr Pfarrer Andreas Tausch kam kurz vorher von einer Bergtour zurück. Nach der Messe hat er mich zum Abendessen und Plausch in den Garten des Pfarrhauses eingeladen. Eine Flasche roten Zweigelt und ein paar Sachen fürs Abendessen habe ich schon am Nachmittag gekauft. Und der Herr Pfarrer steuerte eine Schüssel Salat, Tomaten, Brot und Butter bei. Auch sein „Helfer“ der mich am Nachmittag empfangen hat war mit von der Partie.
Als es Mitternacht geschlagen hat sind wir dann ins Haus gegangen.

Der erste Tag hat ja schon mal gut begonnen.




Geändert von Anton-Josef am 23.May.2009 7:01


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01. August von Inzing nach Mötz
04 Aug. 2008 20:00

01. August von Inzing nach Mötz

Heute morgen umhalbsieben wach geworden. Nach dem üblichen morgentlichen Ritual bin ich hinüber zur Kirche gegangen um zu schauen ob die Wallfahrer mit Luis schon da sind. Auf dem Parkplatz stand eine Gruppe mit Wanderstöcken, teilweise mit Rucksäcken. Und der Herr Pfarrer kam auch schon herbei geeilt. Nach seiner Begrüßung versammelten wir uns im Altarraum auf Bänken im Halbrundkreis. Luis erinnerte an seine Schwester Anna, die heute nach einem Unfall im häuslichen Bereich verstorben ist. Sie hat die Küche in der Herberge gestiftet, aber die Fertigstellung nicht mehr erlebt. Mit der Gitarre begleitete der Pfarrer die beiden Lieder und gab uns mit der Monstranz den Pilgersegen.

Schnell das Wagerl aus dem Widum geholt und los ging es. Wir waren 12 Personen. Auf einem schönen Weg ging es nach Hatting und bald über Wiesen nach Flaurling und Rietz. Am Anfang des Ortes verliessen wir den Jakobsweg um zur Wallfahrtskirche Hl. Antonius von Padua zu gehen. Der Waldweg, ständig bergauf wurde immer schwieriger. Grosse Baumwurzeln, ein Drehkreuz und viele hohe Stufen waren zu überwinden. Ganz schön heftig für das Wagerl und seinen Zieher. Aber die Kirche war die Müh und Plag wert. Auf der Terrasse eines Privathauses gleich unterhalb des Gotteshauses haben wir dann Brotzeit gemacht. Es war ja schon halbein Uhr. Über einen zuerst grobschotterigen, später asphaltierten Weg liefen wir zum Kloster Stams. Dort trennten sich dann unsere Wege. Die Wallfahrer, inzwischen auf 17 angewachsen gingen über den Inn zur Wallfahrtskirche Maria Locherboden, die hoch über dem Inntal auf einem Felshügel liegt. Ich wollte mein Glück im Kloster suchen und habe nach einem Quartier nachgefragt. Leider alles belegt. Die Maltheser waren mit ca 100 Rollifahrern und vielen Behinderten einquartiert und das einzig noch freie Zimmer hatte ein Pilger vorausbestellt. Ein Kandidat des Klosters hat mich gefragt, ob ich Walkingstöcke stehen gelassen habe. Wir haben uns dann ein wenig unterhalten und er hat mir angeboten, mich durch die Stiftskirche von Stams zu führen. Das war natürlich eine feine Sache. Besonders der „ Lebensbaumaltar“ ist sehenswert. 84 Figuren und Büsten und das
Astwerk stammen vom Weilheimer Künstler Wolfgang Kirchmayer. 15 m hoch und 6 m breit. Das 83 m lange Kirchenschiff ist total renoviert. In einer Seitenkapelle wird gerade gearbeitet, die Fassade ist in meinen Augen sehr gut behandelt worden.

Um zu einem Quartier zu kommen gibt es lt. Führer zwei Möglichkeiten. Entweder 4,5 km nach Silz oder nur 2 km nach Mötz zu gehen. Entschlossen machte ich mich auf den kürzeren Weg. Zuerst hinunter ins Tal, entlang der Bundesstraße über die Autobahn auf die andere Innseite, dann ewig weit bis zum Dorf und ans Dorfende.
Die erste Überraschung: Es waren wesentlich mehr als 2 km.
Die zweite Überraschung: Die im Führer „Jakobsweg Tirol“ ,herausgegeben von www.jakobsweg-tirol.net, aufgeführte Nächtigungmöglichkeit in der Pilgerherberge im Widum gibt es auch nicht mehr. Pater Johannes, Zisterzisenser aus Stams, der hier die Pfarrei führt, hat mir aber dann doch ermöglicht, im Haus der Bücherei ein Zimmer mit Bett, WC und Bad zu bekommen. Morgen zwischen halb und acht Uhr muss ich ihm den Schlüssel zurückbringen.
Auch die im Heft angegebene Telefonnummer ist nicht vom Widum sondern vom Gemeindeamt.

Getränke und Verpflegung für heute Abend und morgen zum Frühstück im Tante Emma Laden gekauft und kurz vor dem Erreichen des Quartiers fing es an zu regnen und weitete sich zu einem kräftigen Gewitter aus.

Und wie klingt der heutige Tag aus? Joghurt stichfest, Orangensaft, ein wenig Emmentaler, Vollkornbrot und Vöslauer prickelnd. Jetzt ist es ein bisserl nach 19 Uhr und die Augen sind müde, sogar die Beine möchten heute nicht mehr laufen. Und zu allem Überfluss habe ich meinen neuen Regenschirm daheim liegen gelassen.

Fazit des heutigen Tages: Ein schöner Tag, der nicht zu heiss war, ich bin nicht die ganze Zeit alleine gepilgert aber in Zukunft immer vorher wegen eines Quartiers anrufen und den km-Angaben im Führer nicht trauen.



Geändert von aufdemweg am 14.Nov.2011 18:31


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02. August von Mötz nach Imst
04 Aug. 2008 20:02

Um 04:45 aufgewacht und gemeint, das Rauschen im Hintergrund kommt vom Bach. Aber es kommt vom Regen, der den Bach übertönt.

Es hat aufgehört zu regnen und bin guten Muts, dass das Wetter um schlägt, aber die Wolkendecke hängt tief. Um dreiviertel acht geb ich den Schlüssel bei Pater Johannes ab. Die Unterkunft war für mich kostenlos, weil ich kein Bettzeug gebraucht habe.

Und so mache ich mich auf den heutigen Weg. Am Ortsende beginnt der Fahrradweg, der aber bald zu einem Schotterweg wird. Komme an grossen Zucchinifeldern vorbei, die Gärtner haben schon kistenweise das Gemüse geerntet. Ich treffe drei Jäger, die mit Ferngläsern die steil aufragende Wand absuchen. Ein paar Rudel Gämsen und einige Einzeltiere sind unterwegs. Leider so weit oben, dass ich Mühe habe sie als Punkte erkennen zu können. Auch mit dem 3-fach Zoom ist da nichts zu machen.

Schnell habe ich Haiming erreicht. Ab hier geht ein sehr schattiger Waldweg, teilweise am Flussufer entlang, los. Ein paar steile, wurzeldurchwachsene und schmale Stellen sind dabei und jede Menge Mountainbiker. Sie haben einen GPS-Rundweg zu fahren. Als einer hinter mir in die Felsen einer trockenen Bachfurt stürzte haben sie vor lauter Aufregung zwei Punkte übersehen und das gibt bei der Abrechnung einen Punkteabzug.
Gemäß Führer bin ich dann in einen schmalen Fusspfad bergauf abgebogen. Als ich oben an der Strasse ankam, strampelten die Radler auch gerade vorbei. Da war ich Fußgänger fast schneller als sie auf dem Radlweg.

Und weil ich Hunger hatte, zum Frühstück gab es ein Stück saftigen Pflaumenkuchen (keinen Zwetschgendatschi !!), bin ich von der Route etwas abgewichen und in den Ort Roppen gegangen. Beim Zwölfuhrläuten wurde mir ein riesiges Schnitzel serviert, das fast links und rechts über den Tellerrand hing. Ein paar Einheimische und zwei Radfahrer aus Holland haben den Wagen genau inspiziert und tatsächlich den Fehler gefunden, warum der Tacho nicht mehr ging.

Seitlich von Roppen liegt auf einem, wo sollte es schon anders sein, Hügel eine Bruder-Klaus-Kapelle. Da musste ich natürlich rauf, habe aber das Wagerl unten in einem Gebüsch deponiert. Ziemlich nüchtern die Ausstattung, moderne Glasfenster. Als ich dann unten in Richtung Trankhütte abbiegen wollte, kam eine Frau aus dem Burschlhof und erklärte mir wo der neue Weg jetzt geht. Der Weg über die Römerstrasse ist nicht mehr ausgeschildert. Danke dafür. Ein Stück zurück in den Ort und dann immer am Inn entlang mit wechselndem Belag. Immer wieder herrliche Aussicht auf den Inn. Mal fast am Wasser, dann wieder bis zu 50 m über dem Inn. Und immer wieder Schlauchboote mit Raftern durch die Hochwasserstrudel. Eines der Boote kippte um und alle schwammen in den Wellen umeinander. Sie waren mit einem langen Seil verbunden und konnten so ohne Gefahr wieder ins Boot zurückgeholt werden. Habe ein paar Szenen gedreht.

An einer Felswand ist eine Broncetafel mit folgender Inschrift angebracht:
Zur Erinnerung an ANTON WIESER.

Kurze Zeit später kam ich zum Bahnhof von Imst. Von dort noch eine knappe halbe Stunde bis zum Ortsanfang von Imst. Dort liegt auch der Gasthof Neuner . Geschmalzene 38,00 Euro zzgl 6,00 für das Frühstücksbuffet. Der Vorteil der kostenlose Herberge der letzten Nacht ist dahin. Aber ich werde mich morgen beim Frühstück satt essen und noch eine Brotzeit mitnehmen. Bei dem Preis muss das schon drin sein.
Gleich bei der Ankunft hab ich mir eine Radler reingezischt und ein Gast, der aus Karres ist, ein Ort der auf dem alten Weg liegt, sagte mir, ich soll froh sein nicht die sog. Römerstrasse gegangen zu sein. Karres und Karrösten sind wegen des Kirchtags total ausgebucht. auch kein Privatzimmer zu bekommen.

Um 17.00 Uhr bei Spar mit Wasser eingedeckt – 1,5 l Vöslauer für 59 Cent und einen Miniregenschirm in grün mit Sparlogo für 1,49 Euro. Die Tiroler Almlimonade schmeckt abscheulich, aber die Flasche machts. Sie ist noch „gebauchter“ als die die ich schon habe und liegt beim Gehen noch besser in der Hand. Mein Stückchen Emmentaler ist von der Wärme auch ganz schön verschwitzt und weich wie ein Camembert. Da muss ich mir noch was einfallen lassen unter dem Wagerl. denn dort wäre es schattig und Fahrtwind gekühlt. Gegen 17 Uhr hat es in Imst noch 28 Grad gehabt.

Am Abend im Gasthof Neuner habe ich zwei Radpilgerinnen getroffen, die mich bei einer Pause überholt haben. Es ergab sich die Gelegenheit zu einem Ratsch. So ist dieser herrliche Sonnentag mit einer netten Unterhaltung zu Ende gegangen.
Nicht vergessen darf ich, einen Zettel an der Rezeption zu hinterlegen, auf dem ich den Ort “Obsaurs“ notieren muss. An der dortigen Kirche ist die Rötelzeichung eines Pilgers aus dem Jahr 1604 zu sehen. Im Führer der beiden ist kein Vermerk darüber enthalten. Und man sollte das schon anschauen wenn man sowieso dran vorbeifährt. Und es war gut so, dass ich den Zettel hinterlegt habe - das erfahrt ihr morgen warum.





Geändert von aufdemweg am 14.Nov.2011 18:36


Anton-Josef (643 Beiträge)
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03. August von Imst nach Zams
04 Aug. 2008 20:03

Heute erwarten mich wieder zwei sehenswerte Kirchen, die natürlich wieder nicht im Tal liegen, sondern laut Führer etwas oberhalb des Talbodens. Ich werde mir die Höhenmeter aufschreiben.


Das Frühstücksbuffet liess keine Wünsche offen. So hat der heutige Tag gut angefangen, wird sich aber dann noch ändern. Gut gestärkt machte ich mich um 8.05 Uhr auf den Weg.

Ein kleines Stück musste ich bis zur Königskapelle in Richtung Bahnhof zurück laufen. Hier verunglückte Friedrich August II, König von Sachsen bei einem Jagdausflug. Er ist im Gasthof Neuner verstorben. Eine Gedenktafel erinnert im Treppenhaus an dieses Ereignis.
Schnell war ich aus dem Ort (725 m) und es empfing mich eine stets ansteigende Forststrasse, die dann in einem schmalen Waldweg überging. Höchste Stelle 900 m bei dauerndem auf und ab zwischen 800 und 900 m. Ich kam so schnell voran, dass mich die beiden Radlerinnen, die eine halbe Stunde nach mir losgefahren sind, erst um 9.25 Uhr eingeholt haben. Zu ihrer Ehre muss ich aber sagen, dass sie ihre Räder wegen der vielen Wurzeln auf dem Waldweg schieben mussten. Und da bin ich natürlich im Vorteil.
Durch Imsterau ging es dann auf einem Waldweg entlang der Bahn bis zum Weiler Ried. Dort wieder bergauf bis zu einer Abzweigung eines Fußwegs nach Obsaurs, er in etwa 20 Minuten zu bewältigen ist. Was ich jedoch nicht wusste, dass eine schmale Strasse auch nach S. Vigil führt.
Und da begann nach wenigen 100 m das „Drama“. Der Steig wurde immer schmäler, schmaler als das Wagerl, wurde steiler und noch dazu hängend. Dreimal kippte der Wagen und beim vierten mal brach zu allem Überfluss der linke Zugholm direkt hinter der Manschette, mit der er an der vorderen Stütze festgemacht war. Zurück konnte ich nicht und meine nur eingeklemmte 1 ½ Literflasche kullerte ein Stück den Hang hinunter. Also weiter mit nur einem Zugholm. Zu allem Überfluss lag dann auch noch eine umgestürzte Lärche über den Weg. Ein paar lange Äste mussten dran glauben und aus den 20 Minuten wurde eine ganze Stunde. Und der Karren kippte mindestens 50 mal um. Es war jedesmal mühsam ihn wieder aufzurichten. Ich hatte ja auf der linken Seite keine Aufhängung mehr zum Gurt.
Endlich bin ich nassgeschwitzt, als hätte ich unter Dusche gestanden, an der Kapelle St Vigil angekommen. Die beiden Mädels (beide so knapp 60) haben den Schlüssel organisiert und auf mich gewartet.
Der Innenraum der Kirche ist einfach überwältigend. Die alten Fresken und vor allem die Rötelzeichnung eines Pilgers aus dem Jahr 1604 und die anderen „Kritzeleien“ haben meine Niedergeschlagenheit etwas gedämpft.
Interessane Seite zur Kirche.
Der Bewahrer des Kirchenschlüssels war auch da und betrachtete mein Missgeschick. Er meinte, komm nachher zu uns aui, wir werden schon was finden um das zu reparieren.
Nach der eingehenden Besichtigung und einer „Fotosäschn“ schob ich dann mit viel hängen und würgen den Porsche zum oberhalb gelegenen Bauernhaus. Und tatsächlich kramte er aus der Garage ein Alurohr heraus, das vom Innendurchmesser genau über den Holm passte. Gekürzt, drüber geschoben, mit 4 Schrauben befestigt. „Hebt vorläufig wie Sau.“ Nur einschieben geht nicht mehr. Für diese Aktion wurde sogar das Mittagessen verschoben. Ich sage ihm und seinem Sohn tausendmal Dank. Vor lauter Aufregung habe ich vergessen wie sie heissen aber das bringe ich auch noch heraus.
Frohen Muts machte ich mich dann um 12.00 von St. Vigil auf den Weiterweg. Um 12.30 kam ich zu einem Wegweiser Kronburg 1 1/2 Stunden. Einen nachfolgenden Wegweiser zur Kronburger Schlucht, oder gab es keinen, habe ich übersehen und statt innaufwärts ging es plötzlich innabwärts. In Schönwies (735 m) angekommen, hätte ich wieder zurück den Berg hinauf bis fast auf 900 m gehen müssen. Der Wegweiser zeigte 1 ½ Stunden an. Da blieb ich lieber im Tal und malträtiere meine Füsse auf dem Radweg. Und die letzten 2 km ging es dann wieder auf fast 900 m rauf, aber eben auf der fast verkehrslosen Strasse.
In Kaumburg angekommen, das Wagerl abgestellt und in die Wallfahrtskirche gegangen. Eine Schwester löschte gerade die Altarkerzen aus. Ich habe nach einem Pilgerstempel gefragt. Den würde ich, wenn sie in ein paar Minuten fertig ist, mir im Widum geben. Übliche Frage woher und wohin und wo ich wohnte, erzählte sie dass sie bis vor 5 Jahren Sachrang war. Und just in diesem Moment kam der Hw Herr Pfarrer mit seinen über 80 Jahren dazu. Wir sprachen über alles mögliche, auch über die Methoden des neuen Erzbischof Marx in München und dass die Sachranger schon eine eigene Rass sind.
Schnell war eine gute halbe Stunde vorbei. Ich bekam drei Stücke saftigen Kastenkuchen mit Schokoüberzug und eine Flasche Wasser mit Hollersaft auf den Weg und einen 10 Euroschein „Pilgergeld“. Auf die Colaflasche hat die Schwester ein Marienbild geklebt und gemeint, ich soll die Flasche immer wieder nachfüllen. Dieser Aufforderung komme ich gerne nach.
Beim Runtergehen in Richtung Zams gab es dann noch einen Schwatz mit zwei Schwestern, eine davon aus dem Ursulinerinnenkloster in Graz.
Der Weg nach Zams war schotterig bis kurz vor dem Ort. Die beiden Abkürzungen um die Serpentinen zu umgehen habe ich links liegen gelassen. Ich hätte mir nur ein paar Minuten gespart, aber die Steiglein waren mir zu schmal. Nachdem ich mehrere im Führer aufgeführte Nummern angerufen und immer eine Absage erhielt, sank meine Stimmung immer mehr auf den 50% Punkt. In Zams im Widum gibt es ein Pilgerlager. Der Pfarrer macht jedoch gerade Urlaub in Deutschland. Und am Wochenende war ein Radrennen. Viele der Teilnehmer blieben noch bis morgen. Deshalb war alles belegt.
Die Sonne ging für mich auf obwohl sie eigentlich den ganzen Tag heruntergebrannt hat. Gleich im ersten Gasthaus bekam ich ein Zimmer im Nebenhaus für 19,00 statt 25,00 zzgl. Einzelpersonaufschlag Euro inkl Frühstück. Ein Sonderpreis für Jakobspilger! WC und Bad getrennt zwar am Gang, aber direkt daneben.
Jetzt bin ich schon geduscht und rieche fein nach Seife und Spray und werde mir etwas zum Essen bestellen. Habe den ganzen Tag ausser dem Kuchen nichts gegessen, aber 4 Liter getrunken. Und es gab ein Schmankerl: Gebackenen Kalbskopf mit Kartoffelsalat. Den hab ich auch vor meiner Abreise zum Camino Frances im Jahr 2005 im Augustiner gegessen.

Jetzt hätt ich es beinahe etwas rührendes vergessen.
Als ich in Kronburg ankam, kam der Keller aus dem Lokal auf mich zu und fragte mich, ob ich der Anton-Josef bin. Zwei Jakobspilgerinnen auf Rädern waren da und haben in den Schatten eines Baumes eine Wasserflasche deponiert. Sie hatten ja ihre Räder bei der Abzweigung des Fußwegs zur Kirche St. Vigil unten stehen gelassen. Auf dem Rückweg haben sie meine Flasche geholt und für mich etliche km mitgenommen. Wenn ich sie noch getroffen hätte, ich hätte sie beide umarmt. Morgen werde ich mich mit Genuss aus dieser Flasche laben und bei jedem Schluck an die beiden denken.
Übrigens haben sie sich 1971 !! in Santiago auf einem Pfadfindertreffen kennengelernt. Sie waren die beiden Abgesandten aus Österreich und diese Begegnung wurde eine bis heute andauernde 37-jährigen Freundschaft.
Und da soll einer sagen, dass St. Jakob da seine Finger nicht mit im Spiel hatte.




Geändert von Anton-Josef am 13.Sep.2008 5:52


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04. August von Zams nach Flirsch am Arlberg
04 Aug. 2008 20:05

Heute wäre mein Vater 95 Jahre alt geworden. Er ist bereits vor 31 Jahren verstorben. Auch wenn ich zuhause gewesen wäre, hätte ich sein Grab nicht besuchen können, denn meine Mutter hat es vor einigen Jahren aufgelöst. Seine Schwester Anna hätte heute ihren 94. Geburtsag feiern können.

Nach dem Frühstück bin ich sofort losgezogen. Aber nicht gleich auf dem Jakobsweg wie er im Führer steht.
Von Zams sind es ja nur ein paar Meter bis nach Landeck, dort über die Brücke an das linksseitige Innufer nach Perjen und dann den steilen Fußweg nach Stanz (Kirche oben am Berg). Sehr schattig durch einen Wald auf gut federndem Untergrund. Weiter ging es bis Grins auf einem geschotterten Weg zur Grinser Kneippanlage. Die mag für normale Wanderer eine Erfrischung sein, aber meinen Füssen, die mich ja noch weiter tragen sollen habe ich dies nicht gegönnt. In Grins überquert man eine alte Römerbrücke. Der gotische Brückenbogen passt nicht in das normale Schema römischer Bauten. Sie wurde bestimmt einige Jahrhundert nach den Römern, aber direkt an der alten Römerstrasse gebaut. In der Nähe der Lärchkapelle sieht man noch alte Karrenspuren in Wegsteinen. Hügelauf und hügelab geht es immer in einer Höhe von 1100 bis knapp über 1300 m, also ein alpiner Wanderweg. Schade dass ich meinen Höhenmesser heute nicht auf Addition gestellt habe. Wäre interessant wieviele es waren. Ein anderes Messfeld zeigte des öfteren zwischen 7 und 8 Höhenmeter / Minute an.
Nach Strengen überraschte mich ein heftiges Gewitter. Ich habe mich im Wald bei einem grossen Holzstoss etwa 45 Minuten lang bis der Regen aufhörte untergestellt.
Fast nur über Feldwege und über ein Stück der alten Passstrasse (welch ein Wort mit 5 x s ) kam ich gegen 16.00 Uhr nach Flirsch.

An einem der ersten Häuser ist eine grosse aus Holz geschnitzte Jakobsmuschel angebracht. Mein Quartier für heute Nacht habe ich dort gefunden. Gestern war der Jakobspilger aus Wien mit seinem übergrossen Rucksack da. Er läuft seit Innsbruck immer einen Tag vor mir.
Ein Appartement, Wohnraum mit Diwan und Eckbank, zweizeilige Küche, Bad mit Wanne, welche Wonne, sep. WC und einem Schlafzimmer mit 2 Betten. Leider kann ich den Balkon nicht nutzen. Die Sonne hat sich hinter den bleifarbigen und tiefhängenden Wolken versteckt. Aber meine Wäsche und die miefenden Socken kann ich am Schnürl aufhängen.

Nachdem Flirsch keinen eigenen Pfarrer mehr hat, gab es auch keinen Kirchenstempel in den Pilgerpass. Ich hab das diesmal auf ganz unkonvertionelle Weise gelöst. Auf der Post eine schöne Briefmarke mit Alpenblumen gekauft, eingepickt und abstempeln lassen. Aus die Maus – und sieht nicht mal so schlecht aus.

Nur die Aussage des Herberggebers hat mich ein wenig nachdenklich gemacht. Einen Teil, und zwar einen sehr schönen, von St. Anton nach St. Christoph kann ich unmöglich mit dem Wagen fahren. Es sind jede Menge Stufen und schmalste Stellen und die Rosannaklamm zu passieren. Da bleibt mir dann nichts anderes übrig, als dieses Stück auf der Strasse zurückzulegen. Dafür soll es nach St. Anton einigermassen komod gehen, denn ein Teil des Wegs geht auf der Langlaufloipe. Wenn der Führer schon schreibt „relativ steil“ dann ist es auch steil.

Aber deshalb mach ich mir heute noch keinen Kopf. Ich habe mir im Touristenbüro eine Umgebungskarte geholt. Und in St. Anton soll das Internetcafe offen haben. Vielleicht kann ich dann meine bisherigen Berichte von der SD-Karte direkt in mein Tagebuch kopieren.
In St. Christoph gibt es das alte Hospiz. Inzwischen zu einer Nobelherberge umgebaut. Jakobspilger sollen jedoch einen Nachlass auf den Preis von 70 oder mehr Prozent bekommen. Mal sehen. Jedenfalls muss man vorher anrufen und das Quartier festmachen.



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04. August in Flirsch - Ergänzung
04 Aug. 2008 20:17

Der Sohn meiner Herbergseltern war so nett und hat mir seinen Laptop zur Verfügung gestellt.

Ich habe ja meine Berichte schon auf meinem ASUS eee geschrieben.
Es war ein leichtes diese vom USB-Stick mit kopieren und einfügen in mein Tagebuch zu übertragen.

Danke Simon !


Geändert von Anton-Josef am 23.May.2009 7:05


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05. August - Flirsch am Arlberg
05 Aug. 2008 18:23

o5. August – Flirsch am Arlberg

Ich habe mich spontan entschlossen, einen zweiten Tag hier zu verbringen. Gestern abends habe ich telefonisch das Quartier für morgen, 6. August, im Hospitz, einem Nobelhotel in St. Christoph am Arlberg festgemacht.
Sonderpreis für Jakobspilger mit Abendessen und Frühstück für 30,00 Euro.

Der Abschnitt des Jakobswegs von St. Anton nach St. Christoph reizt mich schon sehr. Er soll mit dem Wagerl unmöglich zu befahren sein. Da ich ihn trotzdem gehen wollte, habe ich mir eine andere Lösung ausgedacht.
Mein Hausherr, von Beruf Hirte, er betreut auf einer Alm im Fernell-Tal etwa 60 Pferde und genau so viele Hochlandrinder, hat mir angeboten, mit ihm bis nach St. Anton zur Stiegeneckkapelle (08:43) zu fahren. Von dort lt. Wegweiser 1 ½ Stunden zum Maiensee.
Bei starkem Regen den ausgeschilderten Jakobsweg mit hunderten von Stufen, Trittsteinen und Holzstegen durch nasse Wiesen und sonstigen Hindernissen zum See auf 1835 m hinaufgegangen. An einigen Stellen war der Pfad nur gut 2 Schuh breit. Um 09:51 war ich am Maiensee oben. Hier ist der höchste Punkt auf allen Jakobswegen in Europa. Mein Höhenmesser zeigte 1820 m an.
Es ist dann nur noch ein Katzensprung nach St. Christoph, das um diese Jahreszeit ausgestorben wirkt. Durch das über 1 km lange Tunnel und immer an der Strasse entlang, ging es dann nach St. Anton. Im Ort beginnt der Antoniusweg (11:15). Habe ihn für morgen „getestet“. Er ist auch nur was für Fussgänger. Auch ein Mountainbiker hätte keine Freude dran. Und gegen halbzwölf hat es Gott sei Dank aufgehört zu regnen.
Der folgende Fuss- und Radweg geht dann als Rosannaweg durch das ganze Tal über Pettneu und Schnann mit Kiesbelag und über Wiesen bis nach Flirsch. Nur bei einem Wellnessbereich und Campingplatz ist er einige hundert Meter geteert.

Schnell kam ich zurück zu meiner Unterkunft und konnte schon um halbdrei Brotzeit im wahrsten Sinn des Wortes, es gab nur Brot, machen. Für die gesamte Strecke habe ich 7 Stunden reine Gehzeit gebraucht. Wegen des Regens war keine Zeit für eine Brotzeit zwischendurch.

Wenn ich nun morgen mit dem Wagerl zum Hospiz hinaufgehe, kann ich bis St. Anton den herrlichen Weg nehmen. Eventuell mit einem kleinen Abstecher über St. Jakob. Ab St. Anton muss ich, wie die Radler dann bis St. Christoph auf die Strasse ausweichen.
Wie oben beschrieben ist der Jakobsweg mit dem Wagerl über das Stiegeneck nicht gangbar.
Aber ich habe den Jakobsweg wie er im Führer angegeben ist ja heute schon mit Minimalgepäck, 1 Flasche Wasser, 2 Semmeln, Photo und Schirm im Rucksackl absolviert.

Eine ganz neue Erfahrung, einen Weg zuerst erkunden und dann gehen. So wird es im Mittelalter auch des öfteren gewesen sein. Kundschafter voran und die anderen hinten nach. Nur ich, ich bin selber mein „hinten nach“.

Sehr gespannt bin ich auf das Hospiz. Von aussen hab ich es schon anschauen können. Eine noble Burg.

Schau ma amal.




Geändert von Anton-Josef am 11.Aug.2008 18:22


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Auch hier zu lesen: Erfahrungen mit meinem Pilgerwagen
30 Jul. 2008 09:48

Achim, im Forum schreibt er unter pilgerpfad, hat mich gebeten, ich soll was über die Erfahrungen mit meinem Gefährt berichten.
Der Text ist auch in meiner homepage und im Forum von Thekla & Aloys veröffentlicht.

* * * * * * * * *

Mein " EBE A-J W 1 " ist fast der gleiche wie der von gospeLIX. Ist ja auch kein Wunder.

Geändert ist das Heckblech, grösser um noch eine Nummerntafel anzubringen. Das hat sich sehr bewährt, denn .... aber alles der Reihe nach.

Anfangs hatte ich ja alles in meinem superleichten Osprey-Rucksack (50 L mit 1.380 g) verpackt, und diesen in einen wasserdichten Sack gesteckt.
Den hatte ich vom Motorradfahren zuhause. Die Isomatte war quer auf den Wagen geschnallt.

Aber nach einigen Tagen habe ich festgestellt, dass es doch sehr umständlich ist, wenn ich an meine Sachen rankommen wollte.
Ich habe dem Ratschlag von gospeLIX nicht geglaubt, obwohl wir ja eine solche Tasche noch aus der Zeit, als eine unserer Töchter
für 3 Wochen beim Kanufahren in Schweden war, haben.
So habe ich immer wieder unterwegs gesucht und bin auf Anraten von zwei Radfahrern in das grosse Sporthaus am Anfang von Villach gegangen.
Die hatten eine gelbe von Ortlieb . Und die passt von der Grösse genau auf den Wagen.
Also alles aus dem Rucksack umgepackt und den per Post samt dem Sack nachhause geschickt.
Ab diesem Moment war es ein Leichtes an alles ranzukommen .
(Das rote sind Säckchen statt Rascheltüten aus einem ausgedienten Regenumhang genäht. Die hatte ich auch schon auf meinen 3 Caminos dabei.)

Das grössere Heckblech ist jetzt von Vorteil, denn ich habe meine Isomatte zusammengefaltet unter der Tasche liegen und damit einen höheren Aufbau.

Ich hatte den Impulsmagnet des Fahrradtachos nur mit einem Draht an der Plastikspeiche befestigt.
Als ich bemerkt hatte, dass der verrutscht war, wude er mit einem dünnen Kabelbinder festgemacht. Und jetzt hält er. Interessant daran ist,
dass du am Abend weisst, wie weit du gegangen und wie lange du effektiv gelaufen bist.

Ein Problem bei der sehr regenreichen Tour war die Unterbringung von meinem Wäfoponcho. Bei plötzlichem Platzregen musste ich ihn aus der Tasche herausholen.
Das hab ich zwischenzeitlich mit einem an der Vorderseite festgezurrten Belüftungskanal 5 x 11 cm und 37 cm Länge gelöst.
Darin ist jetzt der Poncho verstaut und ist im Falle des Falles sofort greifbar.
Um das Rausrutschen zu verhindern, habe ich auf einer Seite ein 16 mm Loch gebohrt und meine Blumenvase durchgesteckt.
(Ein Plastikröhrchen wie es in Blumengeschäften für einzelne Orchideen verwendet wird).

Die Plastikenden an den Stangen sind abgeschraubt und im Bedarfsall schnell montiert. Meine Aufhängung hat sich bewährt. Bei kurzen Bergabstrecken brauch ich nur die Handfläche vor den Holm zu halten, bei längeren Strecken, und das waren manchmal etliche km, hänge ich die Stangen an meinem Gurt um. Geht ruckizucki.

Statt Karabiner verwende ich Kettenschnellverschlüsse mit Verschraubung.

Verwendung findet ein Tragesystem aus Norwegen, wie die es für ihre Kinderpulken hernehmen. Das ist gut gepolstert und scheuert nicht an der Hüfte.
Was mich ab und zu leicht geschmerzt hat war meine kaputte linke Schulter von den schmalen Trägern.
Aber mit einem untergelegten Stück Schaumgummi war es gleich vorbei.
Die Last wird nicht nur vom Hüftgurt sondern in gewissem Mass auch von den Schultern getragen. Alternative wären Schulterpolster

Auf einigen kurzen Wegstücken war es ein bisschen problematisch Der Weg auf dem Bild ist an der breitesten Stelle grad mal 40 cm und ewa 1 km lang gewesen.
Der Wagen war mit seinen 50 cm Spurbreite einfach ein paar cm zu breit und hing dann einseitig in der Luft. Das konnte ich aber mit dem Festheben der Holme ausgleichen.
Über Wurzeln auf den Wegen und Steigen in den Bergwäldern holperte es schon, aber ich kam da bisher überall durch.
Nur einmal musste ich passen, aber da war der Weg kurz vor Bruneck so schmal, voller Wurzeln und Felsbrocken und so steil, dass ich den Wagen nicht raufziehen konnte.
Da bin ich einfach umgekehrt und dann ein Stück auf dem Radweg gelaufen. Lieber eine Stunde gut gegangen als ca 20 Minuten abgeplagt.
Und tragen wäre dort auch fast unmöglich gewesen, weil trotz einschieben der Holme sie an den tiefen Ästen hängengeblieben wären. Und so hatte ich innerhalb einer Stunde zwei mal die Gelegenheit, die für den Jakobsweg errichtete Hängebrücke zu queren.

Das hört sich jetzt dramatisch an. Aber
ich bin 650 km gegangen, davon bestimmt die Hälfte auf Höhen zwischen 800 und 1200 Metern.
Immer bergauf und bergab (z.B. Pustertaler Höhenstrasse), an einem Tag hat mein Höhenmesser 1800 m runter und 1530 m hinauf berechnet. Und Spanien ist nicht mit Österreich zu vergleichen. Nicht alle Naslang eine Bar oder ein Geschäft. Auch hier musst du genügend zum Trinken dabei haben.

Von diesen 650 km würd ich 5 km als unbequem und zusammengerechnet 2 km als besch... beschreiben. Das blödste Stück war gleich nach dem Brenner der Anfang des Wipptaler Höhenwegs.
Da ging es einige 100 m lang bergab auf einem ca 20 - 30 cm breiten Pfad, den schon Wochen vorher niemand mehr gegangen war,
vom Gras zugewachsen war und der seitlich etwa 45 ° gehängt ist. Durch das feste Zupacken an den Holmen, ein Rad war ja die ganze Zeit in der Luft,
hat sich eine Stange etwas verbogen, ich konnte sie jedoch wieder begradigen.

Trotz selbstsichernder Muttern und ein paar Sprengringen habe ich zwei Schrauben verloren und musste improvisieren, denn gerade die hatte ich nicht in meiner Werkzeugbüchse dabei.
Und dann such solche Dinger. Im Raiffeisen Lagerhaus, etwa 3 km ausserhalb von Mariazell, gab es sie nur im 100er Pack.
Aber der Geschäftsführer hatte Mitleid mit mir, hat einfach 2 aus einem Paket genommen und mir gegeben. Seitdem habe ich jeden Tag den Sitz der Schrauben kontrolliert.

FAZIT der 650 km:
Die wenigen Schwierigkeiten waren ein Klacks gegenüber dem Komfort keinen schweren Rucksack tragen zu müssen. Vielleicht kommen noch einige auf den Geschmack mit einem Wagen rückenschonend zu pilgern.


Ich habe aber ein 12 Liter Rucksackl dabei gehabt. Ein paar Tage hatte ich das Leichtgewicht auf dem Rücken, dann wurde es auf den Wagen geschnallt.
Was ich da drin hatte? Alles was man so untertags eventuell brauchen könnte und ohne die Tasche öffenen zu müssen:
Ein Geschirrtuch als Tischdecke, mein Opinel, einen Göffel, das Schneidbrettl, einen 1/8 L Becher, einen Minibüchsenöffner, falls vorhanden etwas Brotzeit, den Pilgerpass,
die Sonnenbrille, die Sonnencreme, Reserveakku und ErsatzSDkarte für den Fotoapparat.
Ausserdem fand ich es prima, wenn ich am Abend ab und zu durch eine Stadt bummelte und was gekauft hatte, dass ich das im Rucksackl zur Unterkunft tragen konnte.

Ich freu mich schon auf nächste Woche wenn es wieder losgeht. Und diesmal geht es in noch höhere Regionen.
Der Arlberg ist zu überschreiten und der Pass ist mit seinen 1.800 Metern die höchste Stelle aller Zubringerwege zum Camino Frances.

Ergänzung:
Ich habe leihweise eine Isolierhülle für eine Halbliterflasche von
Sigg bekommen. Die angebrachte Schlaufe wurde bei der Verschraubung Wagen zum Holm "eingehängt" und unten mit einem Kabelbinder am Lochblech befestigt.



Geändert von Anton-Josef am 13.Aug.2008 9:25


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06. August von Flirsch nach St. Christoph
08 Aug. 2008 22:44

Heute habe ich zusammen mit meiner Zimmrervermieterin gefrühstückt. Die Sonne scheint, es wird ein herrlicher Tag. Frau Guem geht heute auf die Alm zum Heumachen und ich nach St. Christoph.

Eigentlich brauche ich keine Uhr, denn fast jeden Tag beginnt meine Wanderung so umara acht Uhr. Heute war es 08:04.
Schnell war das Dorf durchquert und es empfing mich der gestern in der anderen Richtung schon bekannte Rosannaweg. Ich war so gut drauf, dass ich kurz nach halbneun bereits an Schnann vorbeikam und um halbzehn den Campingplatz von Pettnau passierte.
Ein paar Minuten später bemerkte ich einen mehr oder minder starken Rauchgeruch. Und tatsächlich brannte am anderen Ufer ein Feuer. Aber nicht irgendeines. Zwei Männer sassen auf der Kiesbank und vor ihnen drehte sich ein kleines Schwein am Spiess. Leider ist die Sau erst in paar Stunden fertig. So ein Stück Spanferkel vom Spiess mundet bestimmt.

Bald war ich auf der Höhe von St. Jakob und um 10.45 Uhr sah ich die Touristeninformation St. Anton am Arlberg von meinem Wanderweg aus. Der Ort war auf der alten Arlbergstrasse durch das Oberdorf schnell passiert. Am Ortsende steht das Hotel von Karl Schranz. Wer kennt ihn und die Tragödie seines Ausschlusses aus der Olympiamannschaft nicht. Man warf ihm damals vor, gegen die Amateurstatuten verstossen zu haben.
Von dort aus kann man die Haarnadelkurve in Richtung St. Christoph schon sehen.
Schnell noch einen Tachocheck bevor es auf die Pass-Strasse nach St. Christoph geht:
11:25 Uhr – 15,42 km zurückgelegt – 3:02:53 reine Fahrzeit – ca 19 Minuten stand der Wagen wegen diverser Kurzpausen still. Ich meine eine ganz passable Leistung, und das immer bergauf.

Nun kam der unangenehmere Teil des heutigen Tages:
Auf der linken Seite bis St. Christoph den Berg hinauf. Aber Hallo, bis auf einen Autofahrer, dem Kennzeichen nach ein Ossi, habe ich immer genügend Platz zwischen meinem rechten Ellenbogen und den Autos, Bussen, Lastwagen, Wohnmobilen und Motorrädern gehabt.

Zwischendurch von 12:00 bis 12:15 eine kleine Mittagspause. Und dann der letzte Ansturm. Um 12:22 kam ich zu der Stelle, an der der Jakobsweg von Stiegeneck kommend die Bundesstrasse quert und um 12:40 stand ich vor dem Tunnel Heinrich Findelkind.
Diesmal bin ich aber nicht durchgegangen sondern habe es umrundet. Auf diesem Wegstück überholte ich einen jungen Mann mit Kaftan und schwarzem Hut, vor dem Bauch eine Trage mit einem Baby und seine Frau. Sie haben mich gefragt, wie sie nach St. Anton kommen. Es gibt ja nur zwei Möglichkeiten: Strasse oder über den Meiensee. Sie haben sich entschlossen in Richtung Dorf zurück zu humpeln und dann über den See zu gehen. Sie sagten mir noch, dass sie aus Wien kommen und in dem Hotel mit dem goldenen Plakat Urlaub machen. Die beiden Worte heissen "HERZLICH WILLKOMMEN".

Mit dem Wagerl zum Maiensee hinauf, damit auch es auf der höchsten Stelle alle Jakobswege war. Hier habe ich auch zwei junge Frauen getroffen, die den Jakobsweg in Teilstücken von jeweils einer Woche gehen. Sie haben unterwegs erfahren, dass einer mit einem Gefährt unterwegs ist und haben sich gefreut, mich getroffen zu haben. Gemeinsam sind wir ins Dorf hinunter. Sie weier zum übernächsen Dorf, ich zum Hospiz. Vom Schild "Geschlossene Gesellschaft" darf man sich nicht irreleiten lassen.
Freundlichst wurde ich empfangen, bekam einen schönen Stempel in meinen Pass, wurde zu meinem Zimmer geführt. Nobel, gar nicht „ pilgermässig “. Das Schwimmbad steht mir ebenso wie die Sauna im „Spa“ zur Verfügung und zwischen 19 und 20 Uhr soll ich mich an der Rezeption wegen des Abendessens melden. Und da sitze ich nun nach einer ausgiebigen Körperpflege mit Rasur und tippe meinen heutigen Bericht. Ich werde diesen Aufenthalt geniessen.

Der Ort St. Christoph ist ja aus einem Hospiz entstanden. Aber es ist nicht überall selbstverständlich, heute noch etwas für Jakobspilger zu tun.
Es ist daher eine unheimlich nette Geste des Hotelbesitzers, für Pilger nach vorheriger Anmeldung, solch einen Service zu bieten. Er hat mich bei meiner Ankunft begrüsst und darauf angesprochen, dass er mich auf meinem Weg hinauf gesehen hat.

Mein „Sonntagskirchgangshemd“ habe ich schon für heute abend zwecks lüften ausgepackt und an meine Ersatzhose sind die Beinlinge auch schon angezippt.

Die Kirchturmuhr hat 4 geschlagen und ich mache mich jetzt auf in Richtung Wellness. Nach zwei Gängen in der Kräutersauna einen kleinen Spaziergang, damit die Beine das Laufen nicht verlernen. Neben dem Hotel ist die Kapelle der Bruderschaft St. Christoph. Ihr widme ich einen eigenen Beirag. Die Bruderschaft gibt es schon seit 6 Jahrhunderten und ist caritativ tätig.

Mein schönes Gewand angelegt meldete ich mich um 19 Uhr bei der Rezeption und wurde an meinen Platz geführt.
Als Vorspeise gab es eine Variation von verschiedenen Salaten, garniert mit Kapernäpfelchen und Schafskäsewürfeln, abgeschmeckt mit Balsamicoessig.
Zum Hauptgang wurde ein Gasrechaud mit Rinderbrühe aufgestellt. 4 verschiedene Sossen, Streifen von Hühner- und Rindfleisch und einige Garnelen und Gemüsestücke nebst einer Portion Pommes. Jetzt wusste ich auch, warum zwei Fonduegabeln neben dem Besteck lagen. Und als Nachtisch bekam ich Moussse au Chocolat mit eingelegten Pflaumen serviert. Nach eineinhalb
Stunden habe ich dann meine Tafel aufgehoben.
Ein Wahnsinns-Pilgermenü. Ehrlich, ich habe mit einem Braten gerechnet und wäre auch darüber erfreut gewesen. Ich muss mich hier nochmals recht herzlich beim Hotelbesitzer Werner für die Grosszügigkeit bedanken.

Dazu trank ich neben Wasser auch zwei Bierchen. Heute war ja der 30. Tag meiner Pilgerreise 2008.

Anmerkung: Derzeit sind ca 160 Gäste im Hotel, von denen ich nichts bemerkt habe. Es findet eine Art Kochschule statt. Die Ergebnisse werden von Herrn Winkler selbst begutachtet und bewertet. St. Christoph und St. Anton sind ja reine Wintersportorte und das Hotel hat auch im Sommer Unkosten.





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Bruderschaft St. Christoph
08 Aug. 2008 22:46

Der folgende Text ist von einem Blatt übernommen, das im Vorraum der Bruderschaftskapelle ausliegt.


Herberge – Kapelle – Bruderschaft
Die Geschichte der Bruderschaft St. Christoph


1386 wurde das „Arlberg-Hospiz“ und die dazugehörige Kapelle von Heinrich, dem Findelkind aus Kempten, erbaut. Anlässlich einer Audienz bei Herzog Leopold III von Österreich – als dieser über den Arlberg ritt – erhielt Heinrich Findelkind 1385 das Stück Land auf der Passhöhe – wo auch heute das Hospiz steht – und errichtete 1386 darauf die erste Herberge. Von Papst Bonifaz IX bekam er 1393 das Recht, zum Bau einer Kapelle. Bereits im ersten Winter konnten Heinrich und sein Helfer, Ulrich Mossek von St. Gallen, 7 Menschen vor dem sicheren Schneetod retten. Allabendlich, besonders bei Schlechtwetter, zogen sie aus, um Verirrte zu suchen. Diese wurden dann in das Hospiz gebracht und gelabt, bis sie wieder bei Kräften waren. In den Sommermonaten zugen Heinrich und seine Helfer mit Bruderschafts-Botenbüchern durch ganz Europa um Geld zu sammeln für das Hospiz und seinen Bestand.

Seit dieser Zeit hat die Bruderschaft durch 6 Jahrhunderte eine bewegte Geschichte erlebt. Der Name Heinrich Findelkind verliert sich seit dem Jahr 1430. Während des 30-jährigen Krieges 1618 bis 1648 gab es eine Hochblüte der Bruderschaft. Nach fast 400 Jahren (1386 bis 1783) wurde unter Kaiser Josef II, Sohn Maria Theresias die Bruderschaft säkularisiert und das Hauptbotenbuch der Bruderschaft ins Staatsarchiv nach Wie verbracht. Durch den Bau des Arlberg Eisenbahntunnels – 1884 – war das Hospiz dem Verfall preisgegeben, denn nur noch die Ärmsten, die sich die Eisenbahn nicht leisten konnten, zogen über den Arlberg.
Carl Ganahl, Landesstatthalter von Vorarlberg und Urgrossvater von Arnold Ganahl, dem späteren Besitzer des Hauses, erwirkte beim Vorarlberger und Tiroler Landtag, dass das Hospiz unter Denkmalschutz kam und ein Wächter eingesetzt wurde.
Im Sommer 1955 kaufte Arnold Ganahl aus Feldkirch, der Vater von Gerda Werner, die alte Herberge und begann sie zu restaurieren. Leider brannte durch einen elektrischen Kurzschluss das Hospiz und die Kapelle in der Dreikönigsnacht, am 6. Jänner 1957 bis auf die Grundmauern nieder. Arnold Ganahl liess jedoch das Hospiz mit dem traditionellen Steildach wieder aufbauen und zu Weihnachten 1959 wurde das Haus in neuem Glanz wiedereröffnet.

1961, im Oktober, gründete Arnold Ganahl mit 40 Freunden die Bruderschaft St. Christoph wieder und im Jänner 1962 fand die Wiedererrichtung im Arlberg Hospiz statt. Im Jahr 1964 übernehmen Adolf und Gerda Werner mit damals 126 Mitgliedern die Bruderschaft. Bis zum Jahr 1977 wuchs die Bruderschaft langsam auf 1000 Mitglieder. erst durch tragische Unglücksfälle beim Bau des Arlbergstrassentunnels (1974 – 1978) begann die Bruderschaft kräftig zu wachsen. Die Bruderschaft unterstützte seit 1977 die 64 Halbwaisenkinder der 18 Bergleute, die beim Bau des Arlbergtunnels tödlich verunglückt sind. Heute hat die Bruderschaft schon über 17.000 Mitglieder und sie hilft haiptsächlich Familien mit Kindern, die unverschuldet in Not geraten sind – in Österreich, Deutschland, Schweiz und Südtirol. Das jährliche Budget beträgt inzwischen ca 800.000 Euro.

Die Bruderschaft St. Christoph wird vom Bruderschaftsmeister und von einem Vorstand geführt und vom Bruderschaftsrat, bestehend aus 20 Mitgliedern, unterstützt. Zweimal im Jahr treffen sich die Ratsmitgliedeer zu einer Ratssitzung. Die Zuteilung der Spenden wird vom Bruderschaftsmeister zusammen mit den Mitgliedern des „Sozial Karitativen Ausschusses“ durchgeführt. In den letzten 25 Jahren hat die Bruderschaft St. Christoph schon fast 10 Millionen Euro verwaltungs- und spesenfrei an bedürftige Familien verteilen können. Helft mit – Helfen!

Der Präsident der Bruderschaft ist derzeit der Bischof von Innsbruck, Dr. Mnfred Scheuer. Bruderschaftsmeister ist seit 1965 Adolf Werner und ebenfalls seit 1965 ist Gerda Werner die Schatzmeisterin.


Heiliger Christophorus
Du bist nicht nur für Reisende und Wanderer da
Du bist auch immer da für Menschen
Die auf der Suche nach dem Sinn des Lebens sind
Du bist auch immer da für Menschen
Die im Leben Gott suchen
Du hast den Sinn des Lebens gefunden
Gott dienen und den Menschen
Du hast auch Gott gefunden und die ewige Liebe
Die den Menschen liebt und trägt!
Wir beten zu Dir:
Sei Stock und Stab für suchende Menschen unterwegs
Wir danken Dir - Amen



Geändert von Anton-Josef am 11.Aug.2008 13:54


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